Geschichte des Gymnasiums Nepomucenums in Coesfeld

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entnommen der Festschrift von 1928 Das Gymnasium Nepomucenum zu Coesfeld. 1627–1828–1928 zum 300jährigen Schuljubiläum und umgewandelt in einen Hypertext (work in progress)
Das Gymnasialgebäude an der Kupferstrasse

Zum Geleit[Bearbeiten]

Ein Doppelfest des Coesfelder Gymnasiums gilt es zu feiern. Vor 300 Jahren gründeten Jesuiten in der freundlichen Berkelstadt eine höhere Schule, die unter der Leitung der Jünger des hl. Ignatius rasch emporblühte. Seit der Aufhebung des Jesuitenordens führte die Anstalt nur ein Schattendasein, sie sank zu einem Progymnasium herab. Erst mit der ministeriellen Anerkennung der Anstalt als preußisches Vollgymnasium, die im Jahre 1828 erfolgte, setzte eine neue Blüteperiode ein. Es ist verständlich, daß man vor 100 Jahren von einer Centenarfeier absah, denn die Anstalt fristete damals nur ein Aschenbrödeldasein. Aber auch die 250. Rückkehr des Gründungstages wurde nicht gefeiert. Das damals geplante Fest scheiterte an einem sehr wichtigen Grunde — es fehlten die Mittel. —

Abermals sind wir an einem Markstein in der Geschichte unseres Gymnasiums angelangt. Voll Stolz kann die Anstalt, die mit der Stadt Coesfeld verwachsen ist, auf eine lange und ehrenvolle Vergangenheit zurückblicken. 300 Jahre hat sie das humanistische Bildungsideal treulich gepflegt und sich zu einem der größten Gymnasien der Provinz entwickelt. Im Vorjahr wurde das Gymnasium zu einer großen Vollanstalt erhoben, und im Jubeljahr 1928 ist die Anstalt von nahezu 50 Schülern besucht, eine Zahl, die vordem nie erreicht worden ist. Das Schulfest soll eine Gelegenheit sein, um den Behörden, deren besonderer Obhut unsere Anstalt anvertraut ist, für ihr Interesse zu danken; den ehemaligen Schülern soll das Fest das Juwel der Erinnerung an die auf dem Coesfelder Gymnasium verlebte Jugendzeit schenken, die jetzige Schülergeneration mit Stolz erfüllen; uns Lehrern soll das Erinnerungsfest ein Ansporn sein, den Geist zu pflegen, durch den das Gymnasium gewachsen ist, den Geist wissenschaftlichen Strebens, der das Merkmal jeder höheren Schule sein muß.

Studiendirektor Dr. Ernst, 1928

1928: 3OO Jahre Coesfelder Gymnasium[Bearbeiten]

Vorwort[Bearbeiten]

Als im Sommer vorigen Jahres die ersten Vorbereitungen für das Doppel Jubiläum des Gymnasiums getroffen wurden, tauchte auch der Plan auf, zu dieser Feier eine Festschrift erscheinen zu lassen. In ihr durfte eine zusammenhängende Darstellung der 300 jährigen Anstaltsgeschichte nicht fehlen. Die von Christoph Marx im Jahre 1829 herausgegebene Geschichte des Gymnasiums, die — nebenbei bemerkt — heute nur wenigen bequem zur Hand sein wird, behandelt hauptsächlich die Zeit des Jesuitengymnasiums; einzelne Abschnitte dieser Periode konnten durch die Ergebnisse neuerer Forschungen und durch die Benutzung weiterer Quellen, insbesondere der von Marx nicht benutzten „litterae annuae Soc. Jesu" (Köln, Stadtarchiv) ergänzt werden. Für die weitere Darstellung der Geschichte von der Aufhebung des Jesuitenordens bis zur Eröffnung des vollständigen Gymnasiums kam die von Direktor Boedeker bei Gelegenheit der Einweihung des Neubaues der Anstalt verfaßte Schrift „Von dem Gymnasium Coesfelds in den Jahren 1773—1828" (Coesfeld 1917) dem Herausgeber zustatten; außerdem wurden für den genannten Zeitabschnitt und für die spätere Zeit die im hiesigen Stadtarchiv und im Archiv des Gymnasiums befindlichen Akten benutzt. Da die Geschichte einer Schule mit den allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen wie den gesamten kulturellen Zuständen aufs engste verknüpft ist, waren wir bemüht, die Ereignisse in den größeren historischen Zusammenhang einzuordnen. Das so entstandene Bild wird durch die hier veröffentlichten Beiträge vervollständigt. Das farbige Titelblatt ist nach einem Aquarell von Zeichenlehrer Wessels angefertigt; von demselben stammt auch die Zeichnung des Umschlages. Bei der Durchsicht der Druckbogen half cand. theol. Lorenz Bernard - Coesfeld. Allen, die durch ihre Mitarbeit und ihren Rat das Erscheinen dieser Festschrift gefördert haben, insbesondere Herrn Professor Dr. Dieninghoff - Köln, der im Verein mit seinen Konabiturienten eine größere Summe zu den Kosten der Drucklegung beigetragen hat, sei auch an dieser Stelle herzlicher Dank gesagt. Herrn Studiendirektor Dr. Ernst und dem eifrigen Coesfelder Heimatforscher, Herrn Stadtarchivar Drachter möchte ich für ihre stets bereite Hilfe besonders herzlich danken.

C o e s f e l d , den 22. September 1928. Otto Neumüllers.

Kirchenreform im Fürstbistum Münster[Bearbeiten]

Die Wogen der gewaltigen religiösen Bewegung im 16. Jahrhundert waren auch in das Fürstbistum Münster eingedrungen, und die neuen Lehren hatten nicht nur in der Hauptstadt selbst Anhänger gefunden, sondern waren von hier und aus den benachbarten Niederlanden auch in die übrigen Städte und in die kleinsten Gemeinden des Stiftes getragen worden. Ein großer Teil des Bistums war allmählich für die neuen Lehren gewonnen oder doch wenigstens der katholischen Kirche entfremdet worden. Einen Einblick in die religiösen und kirchlichen Verhältnisse des Münsterlandes im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts gestatten uns die Protokolle[1] über die von Bischof Johann von Hoya (1566—1574) im Jahre 1571 angeordnete Generalvisitation; sie offenbaren neben der großen Unsicherheit und Verwirrung im Glauben auch einen argen sittlichen Zerfall in fast allen Schichten der Bevölkerung, Der Weg der Kirchenreform im Stifte Münster, den Bischof Johann zuerst beschritt, war langwierig und umständlich; auch in den folgenden Jahrzehnten waren die Fortschritte der Restauration gering. Widerstand gegen die von der Landesregierung in diesem Sinne getroffenen Maßnahmen zeigte sich vor allem in den Städten, deren Magistrate die fürstlichen Verordnungen zur Bekämpfung der neuen Lehren als Eingriff in die Gerichtshoheit und Selbstverwaltung der Städte auffaßten. Auch in Coesfeld machte sich der Widerstand gegen derartige Verordnungen geltend, [2] Mit größerem Eifer verfolgte Fürstbischof Ferdinand, Herzog von Bayern (1612—1650), das Ziel seiner Vorgänger. Er war gleichzeitig Kurfürst von Köln, Bischof von Münster, Lüttich und Hildesheim und Koadjutor in Paderborn. Wie keiner seiner Amtsvorgänger war gerade er berufen, auf kirchlichem wie auf staatlichem Gebiete selbständig vorzugehen. In den Schulen der Jesuiten in kirchlichem Sinne streng erzogen, erkannte er es als seine Lebensaufgabe, die Untertanen seiner Länder zur katholischen Kirche zurückzuführen und diese Kirche selbst mit neuem Leben zu erfüllen. Die Einzelheiten seines gewaltigen Arbeitsplanes und die Mittel, die ihm zur Verwirklichung des großen Zieles geeignet erschienen, teilte der Kurfürst bald nach seinem Regierungsantritte den bischöflichen Räten in einer besonderen Instruktion mit. [3] Es ist erklärlich, daß der Bischof als Jesuitenschüler die Wirksamkeit der Gesellschaft Jesu innerhalb der ganzen Diözese gefördert wissen wollte. Als langjähriger Koadjutor seines kurfürstlichen Oheims wußte er überdies aus eigener Anschauung, wie wertvoll die Dienste der Jesuiten für die Durchführung seiner Absichten sein würden; in Köln hatten die Priester der Gesellschaft Jesu seit der Mitte des 16. Jahrhunderts als Jugendlehrer und Prediger hohe Bedeutung gewonnen für die Wissenschaft, für die Befestigung im Glauben und für die Veredelung der Sitten. In Münster waren die Jesuiten bereits unter dem Kurfürsten und Bischöfe Ernst, dem Vorgänger Ferdinands, auf Veranlassung des rührigen Domdechanten


Gottfried von Raesfeld ansässig geworden; sie hatten 1588 die münsterische Domschule, die alte schola Paulina, übernommen und schließlich ein Kolleg gegründet. Allein die Aufgabe, die den Jesuiten in Münster zufiel, war so groß, daß sie außerhalb der Hauptstadt nur selten und nur vorübergehend hatten tätig sein können; die Lehrtätigkeit am Gymnasium, die Arbeit in der Seelsorge und der Neubau von Kolleg und Kirche beanspruchten alle Kräfte. [4] Indem Kurfürst Ferdinand nun der Gesellschaft Jesu einen größeren Wirkungskreis übertrug, versprach er sich, wie es in der genannten Instruktion heißt, nicht wenig Vorteil von den Missionen der Patres Soc. Jesu an den unkatholischen und infizierten Orden. So entsandte der Kurfürst im Jahre 1621 den Priester Johannes Steill, einen In der Mission sehr erfahrenen Mann nach Coesfeld; dieser sollte die Stadt in ihrer religiösen Gleichgültigkeit und Lauheit aufrütteln und den katholischen Gottesdienst neu beleben, den die als Pfarrherrn eingesetzten Konventualen des Klosters Varlar arg vernachlässigt hatten. Nach dem Urteil eines Zeitgenossen hatte Coesfeld damals wegen seiner religiösen Einstellung und gleichgültigen Haltung in kirchlichen Dingen wenig Anspruch darauf, für katholisch zu gelten. [5] Nicht wenige hatten dem von den Vätern ererbten Glauben den Rücken gekehrt und sich die Anschauungen der neuen Zeit zu eigen gemacht. Besonders der Kalvinismus hatte hier Anhang und Einfluß in der Bevölkerung gefunden; das geht hervor aus einem Schreiben, das Johannes Steill im Januar 1622 an den Bischof schickte, [6] Mit stillschweigender Duldung des Magistrates hatten die Kalvinisten in Coesfeld es fertig gebracht, einen ihrer Glaubensgenossen, den Kaufmann und früheren Bürgermeister Heinrich zum Berge auf einem katholischen Friedhofe zu beerdigen, obwohl die katholische Geistlichkeit ihm das Begräbnis verweigert hatte. Es war demnach eine schwierige und umfangreiche Aufgabe, die den Priester und Stadtmissionar Johannes Steill erwartete, als er auf Veranlassung des Kurfürsten durch den Archidiakon, den Propst von Varlar als Verwalter der beiden Coesfelder Pfarreien, St. Lamberti und St. Jakobi, bestellt wurde. Aber durchdrungen von apostolischem Eifer übernahm Steill trotz seines vorgerückten Alters das schwierige Amt; dem erfahrenen Seelsorger und tüchtigen Prediger gelang es, nach und nach Sinn und Herz der Coesfelder Bürger für den katholischen Glauben wiederzugewinnen und für den katholischen Gottesdienst zu begeistern, Johannes Steill gehörte noch der Gesellschaft Jesu an und war zum Münsterischen Kolleg zuständig. Er galt als dimissus, insofern er für seine Missionstätigkeit freigestellt war. Seine Zugehörigkeit nach Münster bekunden die Berichte des Münsterischen Kollegs sowie Steills rege Korrespondenz mit dessen Rektor. Im Inneren seines Herzens war und blieb Steill der Gesellschaft Jesu also viel inniger verbunden, als es sein Titel als Rektor der St. Lambertikirche erwarten läßt. Deshalb gerade glaubte er auch sein Missionswerk nicht besser abschließen zu können, als wenn er die Gesellschaft Jesu nach Coesfeld berief. Indem ihr hier eine Heimstätte bereitet wurde, sollte ihr die Erhaltung der katholischen Religion in besonderer Weise anvertraut bleiben.


Die Berufung der Jesuiten nach Coesfeld[Bearbeiten]

Dem Kurfürsten war der Plan, eine feste, Niederlassung der Jesuiten in Coesfeld zu begründen, sehr willkommen; er beglückwünschte den Missionar zu diesem Vorhaben und empfahl ihm, die Bürgermeister und den Rat der Stadt für das Unternehmen zu gewinnen. Das geschah zu Anfang des Jahres 1627 durch eine besondere Eingabe an den Stadtrat, in der Steill seine Absichten darlegte.[7] Die Jesuiten, heißt es da, würden nicht nur als Prediger und Beichtväter großen Segen bringen, sondern auch als tüchtige Lehrer und Erzieher der Jugend viel Gutes für die Stadt wirken. Der Ruhm einer Stadt seien gute, wohlerzogene Bürger, die jedoch nur aus guten Schulen hervorgehen könnten. Man solle daher gelehrte Männer aus der Gesellschaft Jesu herbeirufen, die von Gott zum Unterrichten der Jugend berufen schienen. Durch die Aufnahme der Jesuiten würden die Bürger die bedeutenden Kosten sparen, die sie für das Studium ihrer Söhne in Münster aufwenden müßten. Dadurch würde auch manches aufstrebende Talent, das jetzt aus Mangel an Vermögen verkümmere, gefördert werden und so imstande sein, zu Ansehen und Ruhm der Stadt beizutragen. Schließlich würde der Aufenthalt von vielen auswärtigen Schülern der Stadt und ihren Bürgern neue Einnahmen bringen. Nicht mit Unrecht wird in diesem Schreiben die große Bedeutung eines Jesuitengymnasiums für die Stadt Coesfeld hervorgehoben. Schon bald nach ihrem ersten Auftreten in Deutschland war es den Jesuiten gelungen, sich als Schulmänner einen bedeutenden Namen zu machen. Unter ihrer Leitung gelangten in den Ländern deutscher Zunge zahlreiche ältere höhere Schulen, die ihnen anvertraut wurden, und die von ihnen gegründeten neuen Gymnasien verhältnismäßig schnell zu hoher Blüte. Solche blühenden Jesuitengymnasien gab es damals, um nur einige aus der großen Zahl zu nennen, z. B. in der niederrheinischen Ordensprovinz in Köln (seit 1557) Heiligenstadt (1575), Paderborn (1585), Münster (1588), Hildesheim (1595), Emmerich (1606), Aachen (1601), Neuß 1615), Düsseldorf (1619).[8] Das münsterische Gymnasium erfreute sich in weitem Umkreise großer Wertschätzung; schon bald nach der Uebernahme durch die Jesuiten war die Schülerzahl auf 1600 gestiegen.[9] Daß Coesfelder Bürger dorthin ihre Söhne zum Studium schickten, scheint nicht selten der Fall gewesen zu sein, da in jenem Schreiben Steills auf diese Tatsache besonders hingewiesen wird. Aus Coesfeld stammten u. a. die beiden Brüder Petrus und Johannes Wittfeldt, die in dieser Zeit bereits als Lehrer am Gymnasium in Münster tätig waren. Der ältere, Petrus, war 1587 in Coesfeld geboren und 1607 in den Orden eingetreten, der jüngere, Johannes, 1596 geboren, wurde 1612 als Novize aufgenommen. Beide werden auch Schüler des Gymnasiums zu Münster gewesen sein; denn die Jesuiten pflegten die neuen Mitglieder größtenteils aus den eigenen Schulen zu nehmen und dabei diejenigen auszuwählen, die ihnen durch ein ausgezeichnetes Talent für die alten Sprachen und durch andere Fähigkeiten für die Lehrtätigkeit besonders geeignet schienen. Unter solchen Umständen fand der Plan Steills, nun in Coesfeld selbst ein Jesuitengymnasium zu gründen, freudige Zustimmung bei Rat und Bürgerschaft. Am 11. März 1627 konnte Steill an P. Ruidius, den Rektor des Kollegs in Münster, berichten, Bürger und Ratsherren hätten beschlossen, die Gesellschaft Jesu herbeizurufen.[10] Trotzdem verzögerte sich die Ankunft der Jesuiten noch ungefähr drei Monate, weil die beiden Bürgermeister Nikolaus Rennebaum und Johannes Bolandt und die beiden Stadtkämmerer Johannes Holtich und Bernh, Wittfeldt sich der Ausführung dieses Beschlusses widersetzten und statt dessen eine Niederlassung der Kapuziner wünschten.[11] Auch der Propst von Varlar, eifrig bedacht auf die Erhaltung seiner Archidiakonatsrechte, machte Schwierigkeiten; er fürchtete, daß durch die Ordensgeistlichen sein Einfluß in der Stadt geschmälert werden könnte und gab den Widerstand gegen die Absichten der Jesuiten erst dann auf, als er sah, wie ihr Anhang unter der Bürgerschaft stetig wuchs und nachdem er sich die Zusicherung für das Fortbestehen seiner alten Rechte hatte geben lassen. Kurz vor Ostern des genannten Jahres kam eine Besprechung mit den Ratsherren und Bürgermeistern zustande, zu der P. Ruidius aus Münster herüberkam; in derselben wurde hauptsächlich über die Einrichtung des Gymnasiums verhandelt, das zum Herbste eröffnet werden sollte. Sehnlichst erwartet kamen dann am 28. Mai 1627 die beiden ersten Jesuitenpatres Bernhard Buchholtz und Albert Holzapfel nach Coesfeld. Die Freude in der ganzen Stadt war groß, der Empfang überaus herzlich. In einem Briefe an P. Ruidius schilderte Steill mit begeisterten Worten die freudige Aufnahme, „Vor Freude bin ich außer mir, mit mir freut sich die gesamte Bürgerschaft. Pater Bernhard haben unsere Bürger aufgenommen und angestaunt wie einen Engel vom Himmel. Als er gestern die Predigt hielt, hat er aller Herzen erobert und mit sich fortgerissen".[12] Die beiden Bürgermeister und andere Honoratioren nahmen an der feierlichen Einführung durch den Provinzial teil und waren nachher Gäste der Patres, die zunächst bei Steill Wohnung genommen hatten. P. Bernhard Buchholtz wurde Superior der neuen Residenz; er stammte aus Coesfeld, und dieser Umstand wird wohl die Ordensoberen veranlaßt haben, ihn aus seinem bisherigen Wirkungskreise als Superior zu Lippstadt hierher zu versetzen. Mit der Ankunft der Jesuiten glaubte Johannes Steill seine Mission erfüllt zu haben. Er verzichtete deshalb im folgenden Jahre zugunsten der Jesuiten auf das ihm übertragene Rektorat über die beiden hiesigen Pfarrkirchen. Als Dechant zu Bielefeld soll er einige Jahre später gestorben sein. Auf seine Veranlassung und durch sein Bemühen, das alle Widerstände beseitigte, sind die Jesuiten nach Coesfeld gekommen; ihm ist also in erster Linie die Errichtung des hiesigen Gymnasiums zu verdanken.

Eröffnung und Einrichtung des Gymnasiums[Bearbeiten]

Nach der Ankunft in Coesfeld hatte P. Superior Buchholtz zunächst die Aufgabe, für die neue Residenz ein eigenes Heim und eine gesicherte Grundlage für ihre weitere Entwicklung zu schaffen.[13] Die Bemühungen Steills, das Zisterzienserinnenkloster Marienborn in Coesfeld für den Orden zu gewinnen, waren trotz der Bereitwilligkeit der Aebtissin, dieses abzutreten, fehlgeschlagen, weil der Zisterzienserabt von Altcampen am Niederrhein sich diesem Plan widersetzte. Statt dessen wurden im Laufe des Sommers zwei Häuser an der Kronenstraße angekauft, von denen das eine als Kapelle, das andere als Wohnung für die Mitglieder der Residenz eingerichtet wurde, während die Schulräume in Ermangelung einer anderen geeigneten Unterkunft einstweilen im Rathause (jetzt Buchdruckerei J. Fleißig) untergebracht werden mußten. Die ungünstigen Verhältnisse entsprachen so wenig der Erwartung der Ordensoberen, daß der General der Gesellschaft Vitelleschi, der vorher der Errichtung des Gymnasiums zugestimmt hatte, wenn der Rat sich verpflichte, für den Unterhalt des Gymnasialpräfekten und der fünf Klassenlehrer zu sorgen, nunmehr am 16. Okt, 1627 an den Provinzial Bawing schrieb:[14] Das Städtchen Coesfeld scheine nach der Ansicht angesehener Patres für die Gründung eines Kollegs wenig geeignet zu sein; er solle deshalb die Verhältnisse mit sachkundigen Patres eingehend prüfen, zumal dem Orden voraussichtlich in nächster Zeit viel wichtigere Aufgaben in größeren Städten, besonders in Sachsen, gestellt würden. Allein bevor der Provinzial dieses Schreiben in Händen hatte und entsprechende Anordnungen treffen konnte, war das Gymnasium am 9. November 1627 mit großer Feierlichkeit eröffnet worden, Anfangs bestanden nur drei Klassen; aber noch im Laufe des ersten Schuljahres kam die vierte Klasse hinzu, und im Herbst 1628 wurde die Lehranstalt durch die Einrichtung der fünften Klasse vollständig ausgebaut. Gleich am Tage der Eröffnung zählte man rund 180 Schüler, am Schluß des ersten Schuljahres war die Schülerzahl auf 221 gestiegen. Die Schüler stammten nicht nur aus Coesfeld und der näheren Umgebung; auch aus der Ferne, sogar aus den holländischen Grenzgebieten kamen Schüler hierher. Auch nichtkatholische Schüler wurden zur Teilnahme am Unterricht aufgenommen. Zu einer endgültigen Regelung der Einkünfte der Residenz war man indessen auch nach Ablauf des ersten Schuljahres noch nicht gekommen, obwohl der Orden bei dem Grundsatz der Unentgeltlichkeit des Unterrichts auf ein gesichertes Einkommen angewiesen war. Der Superior wandte sich deshalb mit einer neuen Eingabe an den Rat der Stadt, der nun den Bürgermeister Rennebaum beauftragte, über diese Frage mit dem in Münster weilenden Provinzial zu verhandeln. Es blieb dem Rate nichts anderes übrig, als der bereits früher gestellten Bedingung zuzustimmen, wonach der Rat für die Besoldung des Präfekten und der fünf Lehrer des Gymnasiums zu sorgen hatte. Für jeden sollten jährlich 70 Rthlr., insgesamt also 420 Rthlr. ausgezahlt werden. Dazu kamen noch 60 Rthlr. aus den Einkünften der alten Schule. Dieses Abkommen sollte fünf Jahre in Kraft bleiben; nach dieser Zeit sollte es dem Rat freistehen, diese jährlichen Abgaben durch eine einmalige Zahlung von 5000 Rthlr, abzulösen.[15] Trotzdem wurden die Gehälter bis zum Anfang des neuen Schuljahres nicht ausgezahlt, so daß P. Buchholtz sich mit einer Beschwerde an die Regierung in Münster und an den Bischof, der in Bonn residierte, wandte. Von Bonn aus schickte Ferdinand, Erzbischof von Köln, Bischof zu Münster u. s, w, am 4. 12, 1628 folgendes Schreiben an die heimgelassenen Räte in Münster: „Es kann Euch nicht unbekannt sein, welcher Gestalt mit unserem Vorwissen, Belieben und Verordnung die P. P. Societatis Jesu sich in unserer Stadt Coesfeld unlängst niedergelassen, daselbst eine Residenz angefangen, auch die Schulen angenommen und bis dahin mit nicht geringem Nutzen versehen, sodaß nicht allein in unserem Stift Münster, sondern auch in den benachbarten katholischen Gegenden, von wo die Jugend auch nach Coesfeld ad studia geschickt wird, mit der Zeit große Frucht zu erwarten ist. Nun haben sich aber die genannten P. P. bei uns beschwert und die Anzeige getan, daß sie zwar gerne im Weinberge des Herrn arbeiten und daran keinen Fleiß ersparen wollten, daß es ihnen aber in der genannten Stadt an nötigen Mitteln ermangelt, und daß sie also genügsame Personen, damit sie die angefangene Arbeit continuieren möchten, nicht unterhalten könnten; demnach es die Notdurft erfordern wollte, ihnen bei Zeiten beizuspringen und hülfreiche Hand zu leisten. Damit dann dieses heilsame und erbauliche Werk nicht zu Grunde gehe, sondern mit allem Eifer fortgesetzt werden möge: So ist Unser gnädigster Befehl hiermit, daß Ihr unseren umliegenden Untertanen, so des Nutzens sich am meisten zu erfreuen haben, die Gelegenheit zu erkennen geben und sie eifrigst ermahnen wollet, daß sie den obigen Nutzen fördern und zu diesem Zwecke genannten Patribus mit einer erklecklichen Zusteuer unter die Arme greifen wollen, Und wir sind Euch mit Gnaden wohlgewogen, (Abschrift des Briefes im hies. Stadtarchiv unter Acta Gymn. betr.) Die Räte beauftragten infolgedessen bald darauf die Beamten zu Horstmar, Ahaus, Dülmen, Bocholt und Bevergern für die Jesuiten in Coesfeld eine Sondersteuer zu erheben und ihnen die eingehenden Beträge auszuhändigen. Nicht überall wurde diese Aufforderung so schnell ausgeführt wie in Ahaus, wo der Amtsrentmeister Hermann Buchholtz, ein Bruder des Superiors Bernhard Buchholtz, schon aus verwandtschaftlichen Rücksichten für eine rasche Erledigung dieser Angelegenheit sorgte und seinem Bruder schon nach kurzer Zeit eine bedeutende Summe aushändigte. In den Gemeinden der übrigen Aemter, deren Rentmeister keinen Bruder im Orden hatten, wurden die geforderten Summen nicht mit gleicher Bereitwilligkeit beschlossen und erst nach einiger Zeit, in manchen Orten erst nach Androhung der Pfändung, aufgebracht. Dank der fortgesetzten Bemühungen des P. Superior wurden die bewilligten Gelder, die sich auf 10 000 Thaler belaufen haben mögen, nach und nach in den folgenden Jahren ausgezahlt. Auch vom Rat der Stadt Coesfeld ist in den nächsten Jahren die Zahlung der jährlichen Rente von 480 Rthlr. eingehalten worden. Zu diesen Öffentlichen Geldern kamen noch einige Stiftungen von privater Seite, so daß die finanzielle Lage der Coesfelder Residenz trotz der anfänglichen Schwierigkeiten wider Erwarten schnell sicher gestellt war. Schon im Jahre 1630 konnte P. Buchholtz aus erspartem Vermögen einen Gutshof im Kirchspiel Südlohn für 1640 Rthlr. ankaufen. Auch der Besitz in der Stadt konnte durch den Ankauf mehrerer Häuser vermehrt werden; im genannten Jahre besaß die Niederlassung bereits 7 Häuser, die alle an der Kronenstraße lagen auf der Stelle, wo später das Gymnasium und die Kirche gebaut worden sind. Seit der Eröffnung des Gymnasiums hatte sich die Zahl der Jesuiten in der Coesfelder Residenz erhöht; im Jahre 1629 zählte man im ganzen 11 Mitglieder: 3 Patres, 6 Magistri und 2 Laienbrüder; im Jahre 1632 hatte die Residenz 16 Mitglieder: 7 Patres, 6 Magistri und 3 Laienbrüder.[16] Man unterschied Patres im eigentlichen Sinne zur Verrichtung der kirchlichen Funktionen und Lehrer; dazu kamen Laienbrüder zur Besorgung mancherlei Arbeiten in der Kirche, im Hause und im Garten. An der Spitze der Residenz stand der P. Superior Bernhard Buchholtz; das Gymnasium wurde geleitet von einem Praefectus, der zugleich das Amt des Bibliothekars versah; ihm waren 5 Lehrer untergeordnet (magistri docentes oder professores) für die 5 Klassen; die übrigen Patres waren als Beichtiger oder Prediger in der Seelsorge tätig. Der Lehrplan, den das Gymnasium in Coesfeld erhielt, war derselbe, der an allen Jesuitengymnasien eingeführt war; die Richtlinien für den ganzen Unterrichtsbetrieb, Lehrgegenstände wie Lehrweise, waren für alle Gymnasien des Ordens festgelegt in der „Ratio studiorum Societatis Jesu", deren zweite Redaktion nach langen Beratungen auf Grund zahlreicher Gutachten der in den einzelnen Ordensprovinzen bestimmten Kommissionen von dem Ordensgeneral Aquaviva im Jahre 1599 genehmigt und veröffentlicht wurde.[17] Diese Studienordnung war maßgebend für die Einrichtung sämtlicher Gymnasien des Ordens. Bei der Aufnahme in die unterste Klasse des Gymnasiums mußten die Schüler mit den Anfangsgründen der lateinischen Sprache bereits vertraut sein; diese Kenntnisse erwarben sich die Knaben in Coesfeld meist auf der Trivialschule, die hier schon längere Zeit vor dem Eintreffen der Jesuiten bestanden hatte und nun neben dem Gymnasium als eine Art Vorschule mit 3 Klassen bestehen blieb. Der Rektor dieser Trivialschule wurde nach- wie vorher vom Propst zu Varlar wie alle Kirchen- und Schuldiener in der Stadt eingesetzt; der Rat der Stadt hatte hierbei nur das Präsentationsrecht. Neben dem Rektor unterrichteten an dieser niederen Lateinschule ein Prorektor und ein Unterlehrer, für deren Besoldung der Rektor zu sorgen hatte; dieser selbst bezog ein festes Einkommen und hatte neben der Befreiung von sämtlichen städtischen Abgaben und Diensten auch freie Wohnung. Hatte in früherer Zeit diese Trivialschule Knaben für die Domschule und später für das Jesuitengymnasium in Münster vorbereitet, so diente sie nun, wie gesagt, als Vorschule für das hiesige Gymnasium. Seit dem Beginn des zweiten Schuljahres, im Herbst 1628, bestanden hier sämtliche 5 Klassen, die nach der Studienordnung der Gesellschaft zu einem vollständigen Gymnasium gehörten. Die drei ersten Jahreskurse umfaßten die untere, mittlere und obere Grammatikaiklasse, die gewöhnlich einfach Infirna, Secunda oder Media und Syntaxis genannt wurden; die beiden oberen Klassen hießen Humanitas oder Poetica und Rhetorica. Den Hauptgegenstand des Unterrichts bildete in allen Klassen die lateinische Sprache, die zugleich als Unterrichtssprache diente. Einen besonderen Unterricht in der deutschen Sprache gab es nicht; beim Uebersetzen aus fremden Sprachen sollte der Lehrer allerdings auf Gewandtheit und Genauigkeit des Ausdrucks achten. Neben dem Lateinischen hatte das Griechische nur eine untergeordnete Stellung im Lehrplan. Die Geschichte fand kaum Berücksichtigung und zwar nur insoweit, als sie dem Verständnis der lateinischen und griechischen Schriftsteller diente. Auch für die Religionslehre blieb im Rahmen des Lehrplans nur wenig Raum übrig; sie war auf den Unterricht im Katechismus und in der biblischen Geschichte beschränkt, wobei freilich bemerkt werden muß, daß die religiöse Erziehung durch den täglichen Besuch der hl. Messe, durch den öfteren Empfang der hl. Sakramente, durch die Einrichtung der Marianischen Kongregation und anderer frommen Uebungen gefördert wurde. Als eine Ergänzung zum Religionsunterricht darf auch die Schüler predigt und die sacra lectio am Sonntag angesehen werden. Wenn deshalb diese für die Jesuitengymnasien geltende Studienordnung, an dem Maßstabe unserer Zeit gemessen, nicht frei von Mängeln, namentlich in wissenschaftlicher Beziehung, gewesen zu sein scheint, darf doch nicht übersehen werden, daß die Schulen der Jesuiten diesen Fehler mit den übrigen Schuleinrichtungen jener Zeit teilen. Daß sie trotzdem im Unterricht und mehr noch in der harmonischen Ausbildung und Erziehung der Jugend große Erfolge aufzuweisen hatten, wurde damals von Freund und Feind anerkannt.[18] Diese Tatsache wird auch von einem Kenner des höheren Schulwesens wie Paulsen in unserer Zeit noch anerkannt: „Daß die Studienordnung der Jesuitenschulen mit „ungemeiner Sorgfalt und großem Verstande ausgearbeitet ist, darüber wird niemand im Zweifel sein. Auch darüber nicht, daß der Studienplan den Forderungen der Zeit im ganzen wohl angepaßt ist; alles was im 16. Jahrhundert in der wissenschaftlichen Welt Geltung hatte, ist darin berücksichtigt.“[19] Die Studienordnung des Ordens regelte den Unterrichtsbetrieb auch des Coesfelder Gymnasiums in folgender Weise: An vollen Arbeitstagen hatte jede Klasse fünf Schulstunden, die sich ziemlich gleichmäßig auf den Vor- und Nachmittag verteilten. Wöchentlich gab es einen freien Nachmittag; fiel jedoch der Unterricht wegen eines Feiertages aus, wurde in derselben Woche ein freier Nachmittag nicht mehr gewährt. Der Unterricht dauerte im Sommer morgens von 7:30—10:30 Uhr, nachmittags von 2—4 Uhr, im Winter von 8— 10:30, bezw. von 1—3:30 Uhr. Dazu kam das Silentium, für das täglich im ganzen 4einhalb Stunden angesetzt waren, und zwar je eine Stunde vor und nach dem Vormittagsunterricht und 2einhalb Stunden nachmittags von 4:30—7 Uhr. In den beiden unteren Klassen las man im Lateinischen leichtere Briefe von Cicero, außerdem Caesar und Ovid, in der Syntaxis außer schwierigeren Briefen Ciceros dessen Schriften de amicitia, de senectute; ferner Sallust, Livius, Catullus, Propertius, Vergils Georgica, Eclogae, Aeneis u. a. In der Humanitas und in der Rhetorica wurden Ciceros moral-philosophische Schriften, Livius, Tacitus, Vergil, Horaz u. a. gelesen. Cicero wurde demnach in allen 5 Klassen behandelt; er war gewissermaßen der Mittelpunkt des lateinischen Unterrichts, wie dieser überhaupt im Mittelpunkt des ganzen Unterrichtes stand. Dem Unterricht in der lateinischen Grammatik war ebenfalls eine bevorzugte Stellung im Lehrplan eingeräumt. Dazu kam auf den beiden oberen Klassen noch die praktische Ausbildung in der lateinischen Rhetorik und Poetik; die Humanisten hatten jede Woche einen lateinischen Aufsatz oder Brief nach Cicero oder Plinius anzufertigen, die Rhetoriker eine größere lateinische Rede, Die poetischen Uebungen der Humanisten bestanden in der Umbildung lateinischer Prosa oder griechischer Verse in lateinische Verse; die Rhetoriker hatten selbständig lateinische Verse zu verfassen, Bildung zu vollkommener Beredsamkeit war das Ziel des lateinischen Unterrrichts; hinter ihm mußten die übrigen Fächer zurückstehen. Beim Silentium der drei unteren Klassen führten gewöhnlich Schüler der Rhetorika die Aufsicht; die Schüler der oberen Klassen arbeiteten unter der Aufsicht von Klerikern, die dafür von jedem Schüler ein besonderes Silentiengeld erhielten. Das Gymnasium entwickelte sich innerhalb weniger Jahre, trotz der Wirkungen des 30jährigen Krieges, der nun schon mehr als zehn Jahre lang immer neues Unheil über unser Vaterland brachte, zu einer blühenden Anstalt. Die große Anziehungskraft, die es von Anfang an auf die studierende Jugend ausübte, bewirkte ein stetiges Anwachsen der Schülerzahl. Im Jahre 1630 betrug die Frequenz 323 Schüler, im Jahre 1633 sogar 373. Hatte der Jesuitengeneral anfangs nicht geringe Bedenken wegen der Niederlassung der Jesuiten in Coesfeld gehabt, so erfüllte ihn die günstige Entwicklung des Gymnasiums mit um so größerer Freude. Er beglückwünschte den Provinzial Bawing und den Superior Buchholtz zu dem guten Stand der Residenz und schrieb am 15, März 1631 an den letzteren,

er hoffe, sie bald in die Zahl der Kollegien aufnehmen zu können. Auch im folgenden Jahre konnte der Provinzial über weitere Fortschritte der Coesfelder Niederlassung nach Rom berichten, wofür der General in einem Briefe an P. Buchholtz seine Anerkennung abermals aussprach. In diesem Briefe [20], der vom 6. November 1632 datiert, ist die Rede davon, „daß hier in Coesfeld noch alles von dem Kriegsgetümmel unberührt geblieben sei, welches nun schon so lange Jahre fast ganz Deutschland erfülle." Wenige Monate später wurde die Stadt Coesfeld von hessischen Truppen unter General Berbistorff besetzt!

Verbannung und Rückkehr[Bearbeiten]

Not und Elend des dreißigjährigen Krieges sind auch der Stadt Coesfeld nicht erspart geblieben. Im Jahre 1623, als sich das Schicksal des tollen Christian bei Stadtlohn erfüllte, mußte die Stadt münsterische Soldaten in ihre Mauern aufnehmen und kaiserlichen Truppen ihre Tore öffnen. Große Lasten erwuchsen daraus der Bevölkerung, denn der Krieg wurde auf Kosten und zum Verderben des friedlichen Bürgers geführt. Als die kaiserlichen Landbeschützer endlich im Spätherbste abzogen, ließen sie eine gänzlich erschöpfte Stadt zurück. Doch was war diese Not im Vergleich zu dem Unheil, das im Frühjahre des Jahres 1633 über die Stadt hereinbrach! Der schwedische Siegeslauf war durch das erneute Eingreifen Wallensteins bei Nürnberg zum Stehen gebracht, Gustav Adolf selbst in der Schlacht bei Lützen gefallen, seine Pläne, in Nord- und Mitteldeutschland ein Reich unter schwedischer Führung zu schaffen, gescheitert. Aber das veränderte Kriegsbild konnte die mit den Schweden verbündeten deutschen Fürsten nicht hindern, die ihnen als Lohn für die schwedische Heeresfolge versprochenen geistlichen Fürstentümer weiter zu beanspruchen und mit Gewalt in Besitz zu nehmen. So drangen die Truppen des Landgrafen Wilhelm von Hessen-Kassel in das Stift Münster ein. Am 14. Februar 1633 mußte die Stadt Coesfeld nach kurzer Gegenwehr dem hessischen General Berbistorff die Tore öffnen; ganze 18 Jahre sollte sie den Druck feindlicher Besatzung tragen. Durch die Ankunft der Hessen wurde die Entwicklung des aufblühenden Gymnasiums jäh zerstört. Gleich am Tage der Besitznahme wurden die Wohnungen der Jesuiten überfallen und geplündert. Mancherlei Opfer und Demütigungen hatten die Ordensleute in den nächsten Wochen und Monaten für ihre Ueberzeugung zu ertragen. Schließlich gab der Stadtkommandant Karl von Uffeln dem Stadtrat den Befehl, die Jesuiten unverzüglich auszuweisen. Alle Einwendungen und Bitten von selten des Rates und der Bürgerschaft, die die Erhaltung des Gymnasiums wünschten, waren nutzlos. [21]


Man habe in Coesfeld, so läßt der Kommandant dem Rate antworten, Lehrer der Jugend gehabt, die sie im Lesen und Schreiben und in der Gottesfurcht unterrichtet hätten, ehe die Jesuiten zum Nachteil der ganzen Christenheit ins Land gekommen wären; man dürfe diese Leute, die keiner weltlichen Obrigkeit unterworfen sein wollten, nicht länger in der Stadt dulden, sondern man müsse sie so bald als möglich hinausschaffen, ehe größeres Unheil von ihnen angerichtet werde. An einem trüben Novembertage, es war der elfte, mußten die Jesuiten von der geliebten Stätte ihrer Wirksamkeit weichen und die Stadt verlassen; sie fanden Aufnahme im Kolleg zu Emmerich. So war das frische Leben der Coesfelder Jesuitenschule, die in der kurzen Zeit ihres Bestehens einen wider Erwarten glücklichen Aufschwung genommen hatte, mit einem Schlage vernichtet. Der Abschluß des westfälischen Friedens in Münster und Osnabrück brachte unserer Stadt noch nicht die lang ersehnte Befreiung von der Last feindlicher Einquartierung. Coesfeld wurde durch die Friedensbestimmungen den Hessen als Pfandstück bis zur Abtragung der vom Stifte Münster zu zahlenden Kriegsentschädigung überlassen und behielt noch bis zum Jahre 1651 eine Besatzung von 600 Mann zu Fuß und 50 Reitern. Die Verbannung der Jesuiten wurde indessen schon zu einem früheren Zeitpunkte aufgehoben. Bald nach dem Friedensschlusse forderte Kurfürst Ferdinand die Gesellschaft Jesu auf, ihre Tätigkeit in Coesfeld wieder aufzunehmen. Dem Wunsche des Bischofs war die verwitwete Landgräfin Amalie von Hessen günstig gesinnt, sie schickte sogar dem Kommandanten der hessischen Besatzungstruppen ein Empfehlungsschreiben für die zurückkehrenden Patres. Am 22. Mai 1649 betraten nach sechzehnjähriger Verbannung zum ersten Mal wieder Jesuiten unsere Stadt; darunter befand sich der neue Superior Heinrich Rexing; P. Bernhard Buchholtz war in der Zeit der Verbannung gestorben. Aber in welch traurigem Zustande fanden sie das Eigentum der früheren Ordensniederlassung und die Stadt überhaupt! Von den sieben Häusern, die ihnen im Jahre 1633 bei ihrem Abzuge gehört hatten, waren sechs völlig zerstört. Die Stadt hatte die Hälfte ihrer Bewohner eingebüßt, das vorher blühende Wirtschaftsleben war gänzlich zusammengebrochen. Unter der Bürgerschaft herrschte alles andere als Freude über die Rückkehr der Jesuiten; angesichts der eigenen Verarmung glaubte man etwas anderes nötig zu haben als eine Niederlassung von Ordensleuten, die auf die mildtätige Unterstützung der Bürger angewiesen waren. Mehr Verständnis und größere Hilfsbereitschaft bei der anfänglichen Notlage der Patres bewies jetzt der hessische Kommandant Johann von Eisengardt, dessen Gemahlin eine eifrige Katholikin war. Dieser unterstützte sie durch Geld und Lebensmittel, setzte sie wieder in den Besitz des noch erhalten gebliebenen Hauses und war ihnen auch beim Wiederaufbau der zerstörten Häuser in jeder Weise behilflich.

Wiedereröffnung des Gymnasiums[Bearbeiten]

Der Ausbau der Residenz zum Kollegium[Bearbeiten]

Zu Anfang des neuen Schuljahres nach dem Feste Allerheiligen wurde das Gymnasium wieder eröffnet, zunächst mit vier Klassen. Der Magistrat, der infolge der Verarmung der Stadt die früher vereinbarte Jahresrente von 420 Thalern vorläufig noch nicht auszahlen konnte, bewilligte in diesem und auch in den nächsten Jahren eine außerordentliche Beihülfe von 50—80 Rthlr. für das Gymnasium, damit man wenigstens sein Interesse an der Schule erkenne. Im Jahre 1650, dem zweiten Schuljahre nach der Rückkehr aus der Verbannung, bestanden wieder sämtliche fünf Klassen, in denen 139 Schüler unterrichtet wurden. Die Niederlassung zählte in diesem Jahre 7 Mitglieder; 3 Patres, 2 Magistri, 2 Laienbrüder. Im ersten Schuljahre brachten die Jesuiten mit ihren Schülern zwei Schauspiele zur Aufführung, zunächst wurde im Frühjahre 1650 das Theaterstück „Stephanus Promartyr" aufgeführt, um das Volk von den zügellosen Aufführungen zu Fastnacht fernzuhalten. Dieses Stück gefiel den Zuschauern so sehr, daß es nach 14 Tagen in Gegenwart des hessischen Stadtkommandanten wiederholt werden mußte; im Herbste mußte es nochmals vor anderen hessischen Offizieren aufgeführt werden. Für die Wiedereinübung waren nur einige Tage übrig. Aber die Jungen, so heißt es bei Reiffenberg, hatten den Ehrgeiz, das Beste zu geben und brachten auch diese Aufführung erfolgreich zu Ende. Noch ein anderes Drama wurde in diesem Jahre mit zwei Wiederholungen aufgeführt: „Jonas, Tragico-Comoedy, in welcher der groß- und mächtigen Statt Ninive gottloses Leben und darauf erfolgte heylsame Buß und Poenitentz vorgestellt durch die Edle und wohlerzogene Jugendt zu Coesfeld bei den P. P. Societatis Jesu, Anno 1650, den 7. und 8. Tag Juny. Denen H, H. Bürgermeistern und Rath der Statt Coesfeldt, wie auch der gantzen Bürgerschaft, als ihren lieben Eltern, Freunden und Schutzherrn zu Ehren dediciret und gehorsamst aufgetragen." Auch Exemplare mit der Widmung: „ Denen H. H. Hohen Kriegsoffizieren, Rath und Beambten, so sich jetzo in und umb Coßfeldt befinden, als ihren Wohltätern und groß günstigen Patronen zur Dankbarkeit und Ehre wurden angefertigt,"[22] Durch diese Aufführungen 2) und insbesondere durch die Wiederaufnahme des Unterrichts erwarben sich die Jesuiten allmählich das Wohlwollen der Bürgerschaft wieder. Der Rat stellte auf ein Gesuch des Paters Nacatenus im Jahre 1651 das obere Geschoß des Rathauses wieder für Schulzwecke zur Verfügung; [23] bis zur Vollendung des neuen Schulhauses befanden sich hier die Unterrichtsräume des Gymnasiums. [24]


Im Jahre 1650 starb Fürstbischof Ferdinand von Bayern, der die Niederlassung der Jesuiten in Coesfeld veranlaßt hatte. Sein Nachfolger Christoph Bernhard von Galen war ebenfalls ein Freund und Gönner des Jesuitenordens; an den Bemühungen um seine Wahl hatten die Jesuiten einen Hauptanteil gehabt. Für die Jesuiten in Coesfeld war es ein besonders glücklicher Umstand, daß der neue Landesherr die Stadt Coesfeld zu seiner Residenz machte, da seine Absicht, die landesherrlichen Rechte unbedingt zur Geltung zu bringen, in der Hauptstadt Münster, die damals nach Reichsunabhängigkeit strebte, auf starken Widerstand stieß. Coesfeld, seit alter Zeit als starke Festung ausgebaut, war gerade während der langen Besatzungszeit von den Hessen als Stützpunkt besonders verstärkt worden; für Bernhard bedeutete diese Festung eine starke Rückendeckung bei der gegnerischen Haltung, die die Hauptstadt des Landes ihm gegenüber zeigte. Daher setzte er alles daran, die Hessen, die Coesfeld noch immer besetzt hielten, durch Zahlung der Entschädigungssumme zum Abzüge zu bewegen. Mitte Juli 1651, sobald die Stadt von der feindlichen Einquartierung frei war, hielt Christoph Bernhard mit großem militärischen Gefolge seinen Einzug und nahm in dem sog. Boland'schen Hause an der Ritterstraße Wohnung, Nun hatten die Jesuiten ihren großen Gönner in unmittelbarer Nähe bei sich und bald konnten sie an den Ausbau ihrer Residenz denken. Als der Bischof im Jahre 1659 am Feste des hl. Ignatius die Nachricht erhielt, daß der Reichshofrat in dem zwischen ihm und der Stadt Münster wegen des Besatzungsrechtes bestehenden Streite eine günstige Entscheidung getroffen habe, gelobte er bei feierlichem Gottesdienste, den Jesuiten in Coesfeld eine Kirche und ein Kolleg zu bauen. Vier Jahre später, am Feste des hl, Andreas (30. XI.) 1663, stellte er die Gründungsurkunde in vierfacher Ausfertigung aus, von der je ein Exemplar für den Ordensgeneral, für den Provinzial, für den Bischof selbst und für die Jesuiten in Coesfeld bestimmt war. In dieser Urkunde überwies er aus einem Vermächtnisse des Freiherrn Moritz von Büren, der in seinem späteren Lebensalter noch in den Jesuitenorden eingetreten war, 12000 Thaler für die Gründung des Kollegiums in Coesfeld und 4000 Thaler, welche die Stadt auf Grund der früher getroffenen Vereinbarung zu zahlen verpflichtet worden war und inzwischen aus den Erträgnissen ihrer Armengüter in barem Gelde, teils auch durch Schuldverschreibungen und in liegenden Gütern entrichtet hatte.[25] Außerdem belehnte er das Kolleg mit zwei größeren Gütern im Kirchspiel Dingden. Der Bau des Kollegs wurde schon im folgenden Jahre begonnen, und im Jahre 1666 war das dreistöckige Wohnhaus vollendet, wie die Chronogrammtafel am vorspringenden Flügel zeigt: DILIgentes noMen eIVs habltabVnt In ILLo. Im ganzen waren 17 Wohnhäuser mit 4 Nebengebäuden abgebrochen worden, um den Platz für den Neubau zu gewinnen.[26] In den folgenden Jahren wurde das Innere des Gebäudes fertiggestellt, das Dach aufgesetzt und die Fenster eingefügt, so daß das Hauptgebäude am Himmelfahrtstage 1670 bezogen werden konnte,


Die Gründung eines Alumnates für adlige Jünglinge führte dem Gymnasium in diesen Jahren neue Schüler zu. Der Plan, diese Anstalt zu errichten, beschäftigte Christoph Bernhard schon im ersten Jahre seiner bischöflichen Tätigkeit, um die mißlichen religiösen Verhältnisse unter seinen Standesgenossen im Münsterland zu bessern. Der Brauch des münsterländischen Adels, seine Söhne in frühem Lebensalter an die Höfe von Holland, Schweden und Nassau zu schicken, wo diese militärische und politische Stellungen bekleideten, entfremdete sie nicht selten der katholischen Kirche und hatte zur Folge, daß ihre unkirchlichen Gesinnungen sich auch bei den Familien in der Heimat festsetzten. Der Bischof glaubte, diesen Mißstand am besten beseitigen zu können, wenn er ein Konvikt für adlige Jünglinge in der Diözese errichte, wo ihnen eine religiöse und wissenschaftliche Erziehung zuteil werden sollte. Auf einen Bericht über diese Angelegenheit, den er am 3. August 1651 nach Rom sandte, erhielt er Ende Oktober desselben Jahres vom apostolischen Stuhle ein ermunterndes Antwortschreiben, das ihn veranlaßte, den Plan bald zur Ausführung zu bringen und das Konvikt in Coesfeld zu eröffnen. Mehr als 20 Jünglinge aus dem vornehmsten Adel des Münsterlandes fanden Aufnahme darin.[27] Der günstige Erfolg, den diese Einrichtung hatte, bestimmte den Bischof, sie für künftige Zeiten zu fundieren. Als Christoph Bernhard im Jahre 1659 seine Residenz in die von ihm errichtete Ludgerusburg auf der Coesfelder Citadelle verlegte, wies er den Konviktualen das Boland'sche Haus an der Ritterstraße, das er selbst bis dahin bewohnt hatte, als Wohnung zu. Da dieses Haus noch wie vorher eine Mietswohnung war, trug er sich mit dem Gedanken, für das Konvikt ein Eigenheim zu kaufen oder ein neues Haus zu bauen und zum Unterhalte desselben eine ausreichende Stiftung zu machen. Als dieser Plan bekannt wurde, stellte Moritz von Büren außer dem erwähnten Vermächtnis von 1200 Thalern, das zum Neubau des Kollegs dienen sollte, auch für die Zwecke eines adligen Konviktes in der bischöflichen Residenz Coesfeld 6000 Thaler aus seinen Gütern auf Haus Geist bei Münster zur Verfügung, die nach seinem Tode ausgezahlt werden sollten. Die Zinsen davon sind seit 1661 zu den Unterhaltskosten des Konviktes tatsächlich verwendet worden. Der geplante Ankauf oder Neubau eines besonderen Konviktsgebäudes kam freilich in Coesfeld nicht zustande; Ende der 70er Jahre des 17. Jahrhunderts wurde das Konvikt nach Münster verlegt, wo der Bischof mehrere Burgmannshäuser käuflich erwarb und an ihrer Stelle auf eigene Kosten einen prächtigen Neubau aufführen und einrichten ließ. Dieses sog. Galen'sche Konvikt bestimmte Christoph Bernhard in seinem Testamente zum Haupterben seiner Güter, deren Erträgnisse nebst 24 000 Thaler in barem Gelde zum Unterhalte des Konviktes verwendet wurden.[28] Die Coesfelder Residenz erhielt im Jahre 1660 einen neuen Leiter in dem Superior P. Hubertus Arburgh. Glänzend hat dieser Mann das Vertrauen seiner Ordensoberen gerechtfertigt zu einer Zeit, wo es galt, den geplanten Haus- und Kirchenbau durchzuführen. Mit Umsicht und Tatkraft


hat er in diesen Jahren auch die Vermögensverhältnisse der Ordensniederlassung in Coesfeld verbessert und den Besitz des Ordens in unserer Stadt bedeutend vermehrt. Außer mehreren Häusern an der Kuchen- und Kronenstraße wurden zwei größere Besitzungen, das Boland'sche Haus und der Schenkinghof angekauft. Der auf diese Weise abgerundete Besitz erstreckte sich von den beiden genannten Straßen bis zur Ritter- und Beguinenstraße.[29] Diese überaus günstige Entwicklung wäre freilich ohne die weitgehende Förderung des Landesherrn wohl nicht möglich gewesen. Als im Jahre 1664 die Residenz in die Reihe der Kollegien aufgenommen wurde, ernannten die Ordensoberen P. Arburgh zum ersten Rektor Collegii Societatis Jesu Coesfeldiae. Länger als drei Jahrzehnte war das Schaffen dieses tätigen Mannes dem Jesuitenkolleg und dem mit ihm verbundenen Gymnasium zu Coesfeld gewidmet (er starb 1693); von der damaligen Blüte und Bedeutung der Anstalt zeugen in unseren Tagen noch die stattlichen Klostergebäude und die prächtige Jesuitenkirche,[30] die heute als Gymnasialkirche dient.


Das Gymnasium im 18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Das Coesfelder Gymnasium hatte durch die Erhebung der Jesuitenresidenz zum Kolleg (1664) eine beträchtliche Steigerung seines Ansehens erfahren. Den Höhepunkt des Öffentlichen Ansehens erreichten nun die Coesfelder Jesuiten nach Fertigstellung des Kolleg- und Kirchenbaues; in ähnlicher Weise erzielte das Gymnasium einen Höchstgrad der Wertschätzung und Bedeutung, nachdem ein eigenes Gymnasialgebäude errichtet war. Da die Raumfrage des Gymnasiums für das Ansehen der Anstalt durchaus nicht ohne Bedeutung ist, so sei zunächst der Bau des Jesuitengymnasiums dargestellt. Bekanntlich hatten die Jesuiten bei ihrem ersten[31] Kommen für den Schulunterricht die oberen Räume des Rathauses (jetzt Fleißigs Druckerei) erhalten. Durch die Hessen geplündert und ausgeraubt, waren diese Räume dennoch 1649 wieder als Schule eingerichtet worden. Sie blieben auch in dieser Eigenschaft, als der Kollegbau fertiggestellt war, bis der Gottesdienst 1694 in die neue Ignatiuskirche verlegt wurde; jetzt wurden einige Räume im Kolleg, die bisher als Privatkapelle der Jesuiten gedient hatten, frei, um zwei Klassen des Gymnasiums aufzunehmen. Aber auf die Dauer mußte man doch ein eigenes Gymnasialgebäude haben, zumal die Räume des Rathauses sehr baufällig geworden waren. Nachdem man schon verschiedene Reparaturen ausgeführt hatte, wurde man glücklich 1721 durch eine freigebige Stiftung (zunächst 2000 Rthlr.) des Barons Ferdinand von Plettenberg, Herrn von Nordkirchen in den Stand gesetzt, den Bau eines Gymnasiums zu beginnen. Am 7. November 1721 legte der Münsterische Weihbischof Wilhelm von Wolff-Metternich zu Gracht feierlich den Grundstein zu diesem Gebäude, das dem hl. Johannes Nepomuk geweiht wurde. Außer dem Bilde dieses Heiligen schloß man in den Schlußstein noch mehrere andere Reliquien und Bilder, sowie ein Verzeichnis sämtlicher bei der Feier beteiligten Personen und der Insassen des Kollegs. Ein zweiter Stein verewigte das Andenken des Stifters, des Freiherrn von Plettenberg. Das so begründete Gymnasialgebäude ist die heutige Fürstlich-Salm-Horstmarsche Rentkammer an der Kronenstraße, Wer die Baupläne für das Gymnasium entworfen hat, läßt sich nicht feststellen. Die Bauarbeiten führte der Coesfelder Maurermeister Evelt aus. Wie hoffnungsvoll der Bau im Herbst 1721 begonnen war und wie schnell er anfangs auch vonstatten ging, so zeigten sich doch schon im nächsten Jahre geldliche Schwierigkeiten, namentlich weil man das ganze Gebäude massiv aufführte. Deshalb schaute man nach Wohltätern aus, die man in Westfalen, im Rheinland und in den angrenzenden Gebieten unter dem Adel und Klerus zahlreich fand. Ein Verzeichnis der Wohltäter für das Gymnasium (unter den Jesuitenakten im Rentkammerarchiv) zählt über 500 Namen.

Weil die Geldmittel für den Bau langsam flossen, konnte man erst 1723 das Dach aufsetzen. Die Inneneinrichtung nahm volle zwei Jahre in Anspruch.[32] Endlich konnte man zu Beginn des Schuljahres 1725/26 (am 6. November 1725) die Schulräume ihrer Bestimmung übergeben. Notdürftig war damals auch die Aula mit der Theaterbühne schon eingerichtet. „V i r t u t i et Scientiae" prangte als Symbol und Wahlspruch über dem Haupteingang des Musentempels, der gleich nach seiner Vollendung eine ungeahnte Anziehungskraft auf die wissensdurstige Jugend von Coesfeld und Umgebung ausübte. „Gymnasium Nepomucenum" heißt nach dem Schutzpatron in den Jahresberichten der Coesfelder Jesuiten diese humanistische Bildungsstätte, von der das geschwächte Ansehen Coesfelds im 18. Jahrhundert nicht wenig gefördert wurde.[33] Der nächste Erfolg des Neubaues war ein starkes Zunehmen der Schülerzahl. Von jeher zeigt sich ein Aufblühen des Gymnasiums im Anschluß an die äußere Entwicklung der Jesuitenniederlassung. Machte sich der Bau des Kollegs in einer Zunahme der Schülerzahl geltend, so tat dies ebenso die Vollendung der Kirche, die 1694 in Benutzung genommen wurde: mit der Jahrhundertwende begrüßt der Chronist (lit. ann. 1701) auch eine neue blühende Zukunft des Gymnasiums. Ein ähnlicher Erfolg konnte gerade nach dem Bau des Gymnasiums nicht ausbleiben. Vorübergehend beeinträchtigt durch ein die Umgegend verheerendes epidemisches Fieber (1728), stieg die Schülerzahl dauernd; 1738 hatte sie sich innerhalb eines Schuljahres allein verdreifacht. Genaue Zahlenangaben sind aus den Jahresberichten leider nicht zu finden. Mit dem siebenjährigen Kriege setzte die Ungunst der Zeiten dem Jesuitenkolleg und dem Gymnasium in einer Weise zu, die einen langsamen Ruin für beide heraufbeschwor. Zunächst seien hier noch die wenigen Nachrichten gesammelt, die über die Zahl und die Persönlichkeiten der Lehrer in den Jahresberichten zu finden sind. Seit 1680 wirkten durchschnittlich 8—10 Lehrkräfte, von denen die eine Hälfte Patres waren; die anderen, Magistri genannt, noch keine Priester waren. Die Zahl der Lehrkräfte an unserem Gymnasium nimmt nach 1760 bis auf 5 ab: ein deutliches Zeichen für den geschwundenen Glanz der Schule, die nicht mehr mit großem Pomp auftreten konnte, sondern nur eine kleine Zahl Schüler umfaßte.



Von den Präfekten des Gymnasiums sind seit 1680 bekannt geworden:

  1. P. Engelbert Syding, geb. 11. Januar 1641 in Uedinghausen bei Arnsberg. Er wird als guter Kenner der Philosophie, der hl. Schrift und des Hebräischen gerühmt, † 1701 in Coesfeld.
  2. P. Heinrich Limbeck, geb. in Coesfeld 1661; er hatte in Coesfeld das Jesuitengymnasium besucht und seine philosophischen Studien in Münster getrieben. Lange Zeit hatte er als Philosophieprofessor an der Akademie in Paderborn gelehrt, bis er als Gymnasialpräfekt nach Münster, dann nach Coesfeld kam, wo er viele Jahre wirkte und 1729 starb.
  3. P, Franz Riese, geb. 1677 in Arnsberg, starb 1733 in Coesfeld. Im Epilog wird sein reges Interesse für den Schulunterricht gerühmt, besonders seine gute Lehrmethode.
  4. P. Josef Stüer, geb. 1720 in Düsseldorf. Wegen körperlicher Schwäche war er von der Seelsorge zurückgezogen worden und stellte einige Jahre lang seine großen Fähigkeiten als Gymnasialpräfekt in den ausschließlichen Dienst dieser Schule, Im besten Alter starb er 1758.
  5. P. Friedrich Münstermann, gebürtig aus Ahaus. Fast 3 Jahrzehnte lang wirkte er als Volksmissionar am Rhein, in Horstmar und Lübeck. 11 Jahre war er sodann Präfekt des Coesfelder Gymnasiums, bis er seines hohen Alters halber nur noch als Spiritual des Coesfelder Kollegs wirkte. Hochbetagt starb er 1769 im 55. Jahre seines Ordenslebens.

Von einigen Lehrern, die am Coesfelder Jesuitengymnasium in dieser Zeit wirkten, wissen wir kaum mehr als die Namen. Es sind:

  1. P. Johannes Stückgen aus Aachen, † 1682 in Coesfeld, wo er viele Jahre Griechisch gelehrt hatte.
  2. P. Hermann Rotermundt, geb. 1656 in Brakel. Er besaß eine vorzügliche Lehrbefähigung und große Beliebtheit. Er starb 1686 in Coesfeld als Professor der Rhetorica.
  3. P. Johannes Willingh aus Werne, starb 1706 als erfolgreicher Lehrer der Mathematik.
  4. P. Caspar Wilde aus Lingen lehrte 5 Jahre in Coesfeld die literae humaniores und starb 1708.
  5. Fr. Georg Hane, gebürtig aus Münster 1684. In jungen Jahren starb er an der Auszehrung, als Professor der Infima, zu Coesfeld 1708.
  6. P, Heinrich Schwerbroich, geb. 1671 in Telgte, wirkte nach erfolgreicher Lehrtätigkeit in Paderborn lange Jahre als Professor humaniorum literarum in Coesfeld und war wegen seines umfangreichen Wissens sehr geschätzt, † 1728.
  7. P. Justophorus Asbeck, geb, † 1705 in Haltern; starb in Coesfeld 1754, nachdem er dort über 20 Jahre gewirkt hatte, wobei auch seine Lehrtätigkeit am Gymnasium gerühmt wird.
  8. Fr. Hermann Ille, geb. 1730 in Fritzlar, starb 1759 als „Magister" in Coesfeld.


Der Lehrbetrieb am Coesfelder Jesuitengymnasium in diesem Zeitraum regelte sich wie bisher nach der ratio studiorum, die für alle Jesuitengymnasien vorgeschrieben war. In den Jahresberichten wird in gleicher Weise die religiöse Entwicklung wie der wissenschaftliche Fortschritt der „Studenten" erwähnt. Für die besten Schüler war durch Bischof Ferdinand im Jahre 1681 eine Prämienstiftung von 800 Rthlr, gemacht worden, aus der jährlich 40 Rthlr. für Prämien bereit standen. Diese wurden in Form von wertvollen Büchern mit entsprechenden Widmungen an die Schüler verteilt, die sich bei den Examina am Schluß des Schuljahres ausgezeichnet hatten. Die Verteilung geschah im Anschluß an die übliche Aufführung des Schülertheaters, das regelmäßig am Schluß des Schuljahres und häufig auch zu Pfingsten stattfand. Die prächtige Schulfeier, die so am Schluß jedes Schuljahres zustande kam und großes öffentliches Interesse weckte, trug wohl hauptsächlich dazu bei, daß man das Coesfelder Gymnasium als „eine Empfehlung für die Gesellschaft Jesu und als Zierde für die Stadt Coesfeld" betrachten konnte (lit. ann. 1735), namentlich zur Zeit seiner besten Blüte. Das große öffentliche Ansehen des Gymnasiums wäre nicht ganz verständlich, wollte man der religiösen Betätigung der Gymnasiasten nicht gedenken. Man darf wohl sagen, daß die Anstalt hierdurch ihren besten Ruf bekommen hat, denn die religiösen Feiern, die von den Jesuiten eben durch die Gymnasiasten veranstaltet wurden, wirkten nachhaltig auf die Bevölkerung ein. Von jeher waren zunächst die beiden Kongregationen der „Studenten", die Angelika und die Mariana, Gegenstand des öffentlichen Interesses. Sie nahmen geschlossen an allen religiösen Aufzügen teil. Das Gymnasium machte auch geschlossene Kreuzwegprozessionen in der Fastenzeit, wodurch mancher angeeifert wurde (lit. ann. 1736). Bei außerordentlichen religiösen Anlässen traten die Gymnasiasten geschlossen in Erscheinung, mit einer eigenen Fahne (seit 1732). Namentlich an der Ausgestaltung der Feiern des Jesuitenordens (Kanonisationen, Aloysius- und Franz Xaverandachten) hatten die Gymnasiasten hervorragenden Anteil, nicht zuletzt durch musikalische und gesangliche Aufführungen. Als 1751 der Jubelablaß gewonnen werden konnte, bildeten die Gymnasiasten anläßlich der vorgeschriebenen Kirchenbesuche eine Prozession, der sich Coesfelds Bürger von selbst anschlossen. Lobenswert ist auch die Verschönerung der Feier des großen Kreuzjubiläums durch die Gymnasiasten (1756). Als letztes Zeichen für den religiösen Geist, der am Gymnasium der Jesuiten herrschte, mag die Tatsache gelten, daß viele Schüler nach Schluß ihrer Studien in einen Orden oder in den geistlichen Stand eintraten. Die Entwicklung des Gymnasiums hatte um die Mitte des 18. Jahrhunderts ihren Höhepunkt überschritten. Der 7jährige Krieg brachte mit seinen unseligen Folgen die schwersten Schäden für das Jesuitenkolleg wie für das Gymnasium. Geradezu schnell ging es mit dem Wohlstand des Kollegs und der Schülerzahl des Gymnasiums abwärts. Im wesentlichen dürften für diese unglückliche Entwicklung äußere Gründe, wie sie der Krieg mit sich brachte, maßgebend gewesen sein. Untragbare Steuern und Einquartierungen schränkten die Mitgliederzahl des Kollegs ein. Derselbe Grund machte es für viele Eltern auf mehrere Jahre unmöglich, die Söhne


studieren zu lassen. Außerdem herrschte bei manchen jungen Leuten Furcht vor den Soldaten, die schon manchen mißhandelt und weggeführt hatten. Ein geregelter Unterricht war unmöglich, weil dauernd und abwechselnd größere Truppenmengen (Hessen, Hannoveraner, Preußen, Franzosen) in Coesfeld Quartier nahmen und mit Vorliebe die Gebäude des Jesuitenkollegs und Gymnasiums belegten. Die Schulräume wurden beschmutzt und demoliert, die große Aula diente abwechselnd als Lazarett und als Raum für Gottesdienst und Versammlungen. Ein Zustand allgemeiner Unsicherheit, Bedrückung und Armut, der immer dem Schulbetrieb feindlich ist, ließ das Coesfelder Gymnasium in diesen Jahren von seiner einstigen Höhe herabsinken. Nur schwer und langsam konnte sich die Heimat von den Schäden des verheerenden Krieges erholen; das Jesuitenkolleg kam bis zu seiner Aufhebung (1773) aus den Schulden nicht heraus. Daß Hierbei das Gymnasium nicht wieder zu seiner früheren Bedeutung kommen konnte, ist bei Erwägung der Kriegsfolgen leicht zu begreifen. Innere Gründe mögen eine Entwicklung weiterhin gehindert haben. In Regierungskreisen war der Unterrichtsbetrieb der Gymnasien langsam in geringere Achtung gekommen. Er mag auch in seiner altüberlieferten Form nicht mehr recht in die damalige Zeit, deren Geistesleben immermehr den Charakter des ,,Aufklärungszeitalters" annahm, gepaßt haben. Außerdem hatte aber das Coesfelder Gymnasium einige Rivalen in Nachbarstädten (Vreden, Borken, Dorsten, Bocholt), die durch den Krieg nicht so stark mitgenommen waren. Schon eher hatten die Coesfelder Jesuiten über die ,,gymnasiola" in der Umgegend geklagt, weil sie ihr Ansehen beeinträchtigten und namentlich manche Schüler aus den Grenzgebieten des Münsterlandes und Hollands ihnen entzogen. Nur langsam nahm deshalb das Coesfelder Gymnasium wieder an Bedeutung zu, weil die Zeiten allmählich ruhiger und sicherer wurden, und weil man sich den neuen Zeitströmungen im Unterricht anpaßte. In den Jahresberichten der 60er Jahre merkt man — ohne daß sie genannt sind — die Einflüsse der Unterrichtsreformen, die der Generalvikar v. Fürstenberg im Stift Münster durchführte. Namentlich wurde der Unterricht in Geschichte, Geographie und Mathematik weiter ausgebaut. Im Jahre 1765 führte man auch die später immer beibehaltene Gewohnheit ein, für das Jahresschlußexamen ,,Thesenzettel" zu drucken, auf denen die Themata der mündlichen Prüfung für die einzelnen Klassen (mit Schülerverzeichnis) verzeichnet standen. Das Jahresexamen, verbunden mit Prämienverteilung, fand vor Eltern und vielen Ehrengästen statt, die die Prüfung verfolgten, (Aufführungen des Schultheaters fanden in dieser Zeit nicht mehr statt.) Im Jahre 1770/71 wurde die Unterrichtsverordnung von 1768 endgültig und mit Erfolg durchgeführt. In langsamem Aufstieg schien jetzt das Coesfelder Gymnasium etwas von seiner früheren Bedeutung zurückgewinnen zu können, während gleichzeitig das Kolleg sich etwas von seinem Schuldenstand erholte. Da kam, für die begonnene Entwicklung überraschend, das Auflösungsdekret für den Jesuitenorden.

Auflösung des Jesuitenordens; die Franziskanerschule[Bearbeiten]

Durch das Breve Dommus ac Redemptor noster wurde die Gesellschaft Jesu, gegen die seit dem Beginne des 18. Jahrhunderts aus verschiedenen Gründen eine starke Mißstimmung in der katholischen Welt herangewachsen war, am 21. Juli 1773 vom Papste Klemens XIV. aufgehoben; für Deutschland verordnete ein kaiserlicher Befehl, daß die bisher von den Jesuiten versehenen Schul-, Lehr- und Predigtstellen aus den Gütern und Einkünften des aufgehobenen Ordens weiterhin zu unterhalten seien. Infolgedessen verfügte der Fürstbischof von Münster, Max Friedrich, am 16. September des genannten Jahres die Einziehung sämtlicher Güter des Jesuitenordens und ernannte für die einstweilige Verwaltung derselben eine Kommission, die unter dem Vorsitze des Ministers Freiherrn von Fürstenberg sofort die Arbeiten begann. Schon am 22. desselben Monats erschienen die Beauftragten jener Kommission in Coesfeld und beschlagnahmten in aller Förmlichkeit das Jesuitenkolleg. Die Mitglieder mußten sich erklären, ob sie in Gemeinschaft bleiben oder austreten wollten. Die Kosten der gemeinsamen Haushaltung sollten aus den Einkünften des bisherigen Kollegs bestritten und die Haushaltung selbst durch einen von den Mitgliedern zu erwählenden Oekonom geführt werden. Ein Teil der Patres und die Magistri wollten unter den veränderten Verhältnissen nicht länger bleiben und verließen, ohne erst die Zusicherung einer jährlichen Rente abzuwarten, bald die Klostermauern. Das Bestehen des Gymnasiums, das damals nur noch 70 Schüler zählte, war durch die Aufhebung des Ordens ernstlich in Frage gestellt; die neuen Verhältnisse im Verein mit den gewaltigen Umwälzungen auf geistigem und politischem Gebiete ließen die Anstalt einem schnellen und, wie es schien, endgültigen Untergange anheimfallen. Zwar wurde den zurückgebliebenen Jesuiten zunächst noch die Fortsetzung der bisherigen Lehrtätigkeit gestattet. Aber für ein ersprießliches Arbeiten in der Schule fehlte nun jede Voraussetzung. Durch die Aufhebung der Gesellschaft war der innere Zusammenhang des Kollegiums zerrissen; das Zusammenleben wurde jetzt als eine unerträgliche Last empfunden; die Lehrtätigkeit konnte kaum mehr einen Anreiz zu freudiger Mitarbeit geben, und so war jede Gelegenheit willkommen, die Last des Lehramtes niederzulegen und dieses gegen eine einträgliche Pfarrstelle einzutauschen. Gleich nach der Aufhebung des Ordens hatte die Anstalt lauter neue Lehrer bekommen; auch in den folgenden Jahren wurde die Arbeit der Schule durch den andauernden Lehrerwechsel stark beeinträchtigt, so daß der Bischof sich schon im Jahre 1777 veranlaßt sah, von den in Coesfeld tätigen Lehrern die schriftliche Erklärung zu fordern, daß sie ohne seine Einwilligung das Lehramt nicht niederlegen würden. In die Stellen der ausscheidenden Jesuiten traten Weltgeistliche, die von Münster hierhergesandt wurden. Ueberhaupt war die ganze Fürsorge des Ministers Freiherrn von Fürstenberg der Umgestaltung und Hebung des Münsterischen Gymnasiums gewidmet; der Rückgang unseres Gymnasiums machte sich um so stärker bemerkbar, je mehr jene Anstalt in diesen Jahren emporblühte. Auch als im Jahre 1782 der Franziskaner-Orden, dem der Unterricht an den früheren Jesuitenschulen im ganzen Stifte außer in der Hauptstadt Münster selbst übertragen wurde, das hiesige Gymnasium übernahm, besserte sich die Lage der Schule nicht. Es fehlte diesem Orden an geeigneten Lehrkräften, die Lehrer wechselten fast jährlich, „wodurch dann manchmal die Stellen mit unkundigen Lehrern besetzt wurden".[34] Außer dem Praefectus gymnasii waren nur noch zwei Lehrer an der Anstalt tätig; die beiden unteren und die beiden oberen Klassen waren kombiniert. Die Schülerzahl war damals wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage der Stadt weiter zurückgegangen. Als Präfekten des Gymnasiums begegnen uns seit 1782 nacheinander die Franziskaner P. P, Kaspar Schlüter, Theobald Steinlage, Kornelius Terbeck, Augustus Flosbach, Flavianus Ostendorf und seit 1796 P. Apollinaris Born.[35] Daß dieser häufige Lehrerwechsel und der Unterricht in den kombinierten Klassen die Leistungen der Anstalt sehr beeinträchtigten, ist leicht einzusehen. So werden die Vorwürfe, welche die in Coesfeld zurückgebliebenen Jesuiten ihren Nachfolgern im Lehramte wegen des schlechteren Unterrichts machten, im Grunde genommen berechtigt gewesen sein. Präfekt Born, der dem ersten „Jahresbericht über das Progymnasium zu Coesfeld während des Schuljahres 1822 in 1823" eine „kurze Geschichte" der Anstalt vorangehen läßt, hebt hierin allerdings ausdrücklich hervor, „daß die Franziskaner den Unterricht nach dem von Sr. Exzellenz dem Freiherrn von Fürstenberg im Lande vorgeschriebenen Schulplan erteilten". Allein es scheint, wie die eingehenden Ausführungen von Boedeker[36] über die Schulverfassung der Anstalt in der letzten Zeit der fürstbischöflichen Herrschaft beweisen, mehr als zweifelhaft zu sein, ob diese Fürstenbergische Schulordnung des Jahres 1776 seitens der Franziskaner durchgeführt wurde oder durchgeführt werden konnte. Tatsächlich blieben nach dem Ergebnis der Prüfungen Schüler, die (auf den von Franziskanern geleiteten Gymnasien) die 4te oder die 5te Klasse besucht hatten, gegen die Schüler des Paulinums so erheblich zurück, daß viele von ihnen beim Uebergange auf das Münsterische Gymnasium „darüber den Mut verloren und sich keine Mühe mehr gaben, beizukommen." Hierbei darf freilich andererseits nicht unerwähnt bleiben, daß die bischöfliche Schulbehörde wenig für die Hebung des Coesfelder Gymnasiums in dieser


Zeit getan hat. Seit der Aufhebung des Jesuitenordens waren der Anstalt die notwendigen Mittel entzogen; die ehemalige Jesuitenbibliothek war zum größten Teile nach Münster gebracht worden. Von der Verwaltung der Jesuitengüter wurden den drei Ordenspriestern für ihre Schultätigkeit jährlich nur 420 Rthlr. gezahlt; außerdem war ihnen durch Vertrag das Klostergebäude als Wohnung, die Benutzung des Gartens und der Gebrauch des Mobiliars zugebilligt. Wie schwer die Patres in diesen Jahren um ihre Existenz zu kämpfen hatten, ersieht man übrigens aus der Tatsache, daß sie sich im Jahre 1801 mit der Bitte um eine außerordentliche Unterstützung an die Verwaltung des Schulfonds wandten, worauf „den Supplicanten für dieses Mal 150 Rthlr, Zulage in Gnaden angewiesen wurden',[37] Diese Verhältnisse schadeten natürlich dem Ansehen der Schule sehr und ließen sie von Jahr zu Jahr mehr in Verfall geraten. Noch schwieriger wurde die Lage der Schule und Lehrer, als infolge der Bestimmungen des Luneviller Friedens auch in unserer Heimat die Landesherrschaft neu geregelt wurde. Durch den Reichsdeputationshauptschluß vom 22. Oktober 1802 wurde das Fürstbistum Münster säkularisiert und aufgeteilt. Der größte Teil des Amtes Horstmar, zu dem Coesfeld damals gehörte, kam an das Wild- und Rheingräfliche Haus, das noch vor Ablauf des genannten Jahres durch eine besondere Bekanntmachung Besitz von dem ihm zugefallenen Gebiete ergriff „mit aller Landes-Hoheit und den Domainen, wie auch allen darin gelegenen Welt-und Geistlichen Kapiteln, Stiften, Archi-Diakonaten, Abteyen und Klöstern", Am 24. Juni 1803 kam die Familie des Rheingrafen, der sich seit der Uebersiedlung ins Münsterland Rheingraf zu Salm-Horstmar nannte, nach Coesfeld, um zunächst in Varlar Wohnung zu nehmen, bis im Spätherbst des Jahres die Residenz in das ehemalige Jesuitenkolleg verlegt wurde. So mußten die Franziskaner das Klostergebäude, das ihnen bisher als Wohnung gedient hatte, räumen und sich in der Stadt einmieten. Die Schulräume verblieben einstweilen noch in dem 1721 errichteten Gymnasialgebäude, in dem sich heute die fürstliche Renteiverwaltung befindet. Die Gehälter wurden den Lehrern vorläufig von der neuen Landesregierung weitergezahlt. In den folgenden Jahren traten weitere Aenderungen in den politischen Verhältnissen ein, die sich auch im Schulleben bemerkbar machten. Die Landesherrschaft kam 1806 an das von Napoleon neugeschaffene Großherzogtum Berg, 1810 an das Kaiserreich Frankreich. Durch einen Vergleich zwischen der Rheingräflichen Familie und der Regierung des Großherzogtums Berg wurden die Jesuitengüter in Coesfeld, obgleich sie bei der Aufhebung des Ordens dem sog. Studienfonds überwiesen worden waren, nun dem Rheingräflichen Hause cum onere überlassen. Infolgedessen beanspruchte und beschlagnahmte die Rheingräfliche Verwaltung die „Schulstuben, um darin das Administrationsbureau mit der Kasse" unterzubringen. Trotz aller Gegenvorstellungen von Seiten des Maires Wessendorf und des Präfekten Born, die beide mit lobenswertem Eifer für die Erhaltung des Gymnasiums eingetreten sind, wurde durch Präfektur-Reskript vom 23. Nov. 1810[38] die von der Frau Rheingräfin gewünschte Verlegung der Schule genehmigt, vorbehaltlich der irgend Jemanden an das Gymnasium-Gebäude zustehenden Eigentums-Rechte'. Die Stadt glaubte ein Anrecht auf dieses Schulhaus und überhaupt auf die Erhaltung der öffentlichen Lehranstalt zu haben, „weil sie zum Schulfotids, und zwar namentlich zum Unterhalt der Professoren ab Infima usque ad Rhetoricam nach Ausweis der von einem Rector Collegii Hubertus Arburg unter dem 4. Januar 1664 ausgestellten Quittung, aus den hiesigen Armen-Mitteln 4000 Rthlr," beigesteuert habe.[39] Die Bürgerschaft war sehr ungehalten darüber, daß ihre Söhne nun nach auswärts zum Besuch einer höheren Schule geschickt werden mußten, daß auf diese Weise der Stadt viel Geld verloren ging, und daß schließlich die auswärtigen Schüler von Coesfeld fernblieben. Die beabsichtigte Verlegung der Anstalt in das Annunziatenkloster (heute Krankenhaus), unterblieb freilich einstweilen noch aus irgendwelchen anderen Gründen; bis 1813, als die Räume für die durchziehenden Truppen zur Verfügung gestellt werden mußten, befanden sich noch zwei Klassenzimmer in dem eigentlichen Schulgebäude; nach dem Abzug der Truppen wurden auch diese Räume endgültig von der Rheingräflichen Verwaltung bezogen. Seitdem waren die Lehrer[40] gezwungen, in ihren Wohnzimmern, die sie bei Bürgern in der Stadt gemietet hatten, zu unterrichten. Der Präfekt Born hatte schon seit 1807 in seiner Wohnung Schule halten müssen. Im genannten Jahre zählte die Anstalt in den fünf Klassen zusammen nur 15 Schüler, im Januar 1815 in vier Klassen 18 Schüler. „Die geringe Anzahl der Schüler", so berichtet[41] P. Born zu dem letzgenannten Zeitpunkte an das preußische Civilgouvernement in Münster, „ist nicht zu verwundern, weil außer den Zeitumständen auch der Mangel an dem gewöhnlichen Gymnasialgebäude alle Auswärtigen von der Besuchung der hiesigen Anstalt abschrecken muß". Die einst blühende Anstalt schien gänzlich aufgehoben und erledigt zu sein.

Unter preußischer Verwaltung; das Progymnasium[Bearbeiten]

Durch die glücklichen Ereignisse der Freiheitskriege, in denen das deutsche Volk aus tiefster Erniedrigung und Not auferstanden war, wurde unser Gymnasium vor dem drohenden Geschick der völligen Auflösung bewahrt. Gegen Ende des Jahres 1813 wurde Coesfeld, zunächst vorläufig, dem preußischen Civilgouvernement Münster unterstellt und am 21. Juni 1815 endgültig mit Preußen vereinigt. Die Segnungen eines geordneten großenStaates traten bald in Erscheinung; von Anfang an richtete die preußische Regierung ihre besondere Aufmerksamkeit darauf, das durch die Fremdherrschaft völlig zerrüttete Schulwesen in den neuerworbenen Gebieten zu heben. Schon am 2. August 1814 schickte der Kommissar des obersten Verwaltungsdepartements der allerhöchsten Verbündeten in Münster ein Schreiben an den Magistrat wegen des Gymnasialgebäudes in Coesfeld; der Bürgermeister sollte berichten, in welchem Lokale die Gymnasialschule gehalten würde und ob die Räume angemessen seien. Auch sollten die Lehrer des Gymnasiums eine Aufstellung ihrer Rückstände an Gehalt und Emolumenten einreichen, die ihnen unter dem Vorwande, daß die Fonds unzulänglich seien, seit 1810 nicht ausgezahlt worden waren.[42] Zwei Klassenräume und die Wohnung des P. Born befanden sich damals in dem Stoltering-Gebäude, einem 1803 aufgehobenen Beguinenhause ander Kupferstr. Dem Lehrer der 1. u. 2. Klasse stand nach wie vor kein besonderer Unterrichtsraum zur Verfügung. Außer den täglichen Unterrichtsstunden, je zwei vormittags und nachmittags, hielten die Lehrer die gewöhnlichen Silentien. Dienstags und Donnerstags nachmittags war sog. Spieltag; der Religionsunterricht wurde Sonntags gehalten.[43] Mit der Neuordnung des höheren Schulwesens in der Provinz Westfalen wurde im Jahre 1818 Friedrich Kohlrausch[44] beauftragt. Bei seinem Amtsantritt zählte Westfalen 6 protestantische und 3 katholische Gymnasien, die letzteren zu Münster, Paderborn und Arnsberg, die ersteren zu Hamm, Soest, Dortmund, Minden, Herford und Bielefeld, Ihre Einrichtung war sehr verschiedenartig; die Lehrerkollegien waren zum Teil noch unvollständig, manche der Lehrer pensionsfähig, oder, wenn auch noch in jungen Jahren, mehr hinderlich als förderlich; die Mittel zur Verbesserung der unzureichenden Gehälter und Errichtung neuer Stellen waren schwer zu beschaffen. Die Progymnasien zu Warendorf, Rheine, Vreden, Coesfeld, Dorsten, Recklinghausen, Rietberg, Brilon und Warburg waren noch viel weniger geordnet. 3) Es war also notwendig, gerade die letztgenannten Anstalten im Sinne der preußischen Schulordnung umzubilden und neu einzurichten; das geschah von seiten der Regierung mit wohlwollendem Verständnis für die Eigenart und Geschichte


dieser Schulen, wobei schroffes Aendern vermieden wurde. Durch Vermehrung der bisherigen Mittel und durch Neuregelung des Lehrplans wurden nach und nach wesentliche Verbesserungen vorgenommen. Wie die preußische Regierung das Schulwesen in unserer Stadt beurteilte und zu heben bemüht war, geht hervor aus einem Schreiben vom 11. Aug. 1818.[45] Die Stadt Coesfeld, heißt es da, bedürfe nach ihrem Umfange außer der bestehenden allgemeinen Volksschule, die damals 2 Knaben- und 2 Mädchenklassen umfaßte, auch einer höheren Bildungsanstalt, in welcher die Knaben für das höhere bürgerliche Leben vorbereitet und allenfalls soweit gebracht werden könnten, daß sie imstande seien, in eine mittlere Klasse eines Gymnasiums einzutreten; in dieser Hinsicht habe die Stadt begründete Ursache, auf die Beibehaltung ihrer lateinischen Schule zu dringen. Die Regierung habe den dringenden Wunsch, diese höhere Stadtschule zu einem höheren Grade von Vollkommenheit, als sie jetzt habe, zu erheben. Nur sei jetzt der Zeitpunkt noch nicht gekommen, diese Absicht auszuführen. Nach einer Verfügung des Ministeriums solle nämlich zuvor über die Verwendung des Jesuiten- und Horstmarschen Missionsvermögens verhandelt werden. Die fürstliche Hofkammer habe aber bis jetzt, wiederholter Aufforderung ungeachtet, noch unterlassen, einen Bevollmächtigten abzuordnen. Von besonderer Wichtigkeit ist die in diesem Schreiben angeordnete Einsetzung eines Schulvorstandes, der die Aufsicht über das Schulwesen der Stadt führen, insbesondere die Verhandlungen wegen der Verwendung der ehemaligen Jesuitengüter und sonstige Maßnahmen für den Ausbau und die Hebung der höheren Stadtschule vorbereiten sollte. Berufene Mitglieder dieses Schulvorstandes waren der Bürgermeister Holtermann als Vorsitzender, die beiden katholischen Pfarrer, Dechant v, Droste und Pastor Hartbaum sowie Hofprediger Machenhauer; die drei letztgenannten Herren sollten vornehmlich auf die pädagogischen Angelegenheiten der Schule achten. Dazu kamen Präfekt Born und Gemeinderat Montener als die beiden von Seiten des Magistrates zu benennenden Mitglieder. Die Zusammensetzung des Schulvorstandes hat sich in den folgenden Jahren mehrere Male geändert, wie auch seine Aufgabe und Befugnisse in dieser Zeit der Umgestaltung und Neuordnung des Gymnasiums begreiflicher Weise mehrfachem Wechsel unterworfen waren. So verfügte die Regierung u. a, kurz vor Beginn des Schuljahres 1822/23, „daß zwei von den Mitgliedern des Schulvorstandes jetzt unverzüglich an der Prüfung der neu aufzunehmenden und der zu versetzenden Schüler in der Art Antheil nehmen sollen, daß sie die schriftlichen Arbeiten derselben mit den Lehrern prüfen, der von den letzteren vorzunehmenden mündlichen Prüfung beiwohnen, selbst mit eingreifen können und zuletzt mit den Lehrern gemeinsam die Beschlüsse fassen,"[46] Diese Verfügung, die einem Antrage des Bürgermeisters Holtermann entsprach, hatte den Zweck, überhaupt die Leistungsfähigkeit der Schule zu steigern und besonders die verhältnismäßig hohe Zahl ungeeigneter Freischüler zu vermindern, die in den vorhergehenden Jahren, wie es scheint, ohne genaue Prüfung der Fähigkeiten lediglich auf Grund eines Ausweises der Ortsbehörde und des Pfarrers als sog. Arm-Studierende, vielleicht nur um die Frequenz der Schule zu heben, aufgenommen worden waren. Nach der allgemeinen Dienstinstruktion vom 8. Jan. 1823 hatte der Schulvorstand nur mehr das Recht, die wirtschaftlichen Verhältnisse der sich als Arm-Studierende zur Aufnahme meldenden Schüler zu prüfen, während die Prüfung ihrer Fähigkeiten den Lehrern vorbehalten blieb. Es scheint, daß diese Bestimmung sich gegen jene früher ergangene Verfügung schließlich durchgesetzt hat. Mit der Erhebung der Anstalt zum vollständigen Gymnasium blieb dem Schulvorstand, bezw. dem Curatorium in der Hauptsache nur die Verwaltung des Gymnasialvermögens vorbehalten. In der Zeit des Progymnasiums bestand die Schulkommission aus fünf Mitgliedern. Den Vorsitz führte der Bürgermeister Holtermann; dazu kamen Dechant Wilmink, Kaplan Hülswitte, Assessor Ellering und Steuerrevisor Schmitz, Dechant Wilmink und Assessor Ellering nahmen als Vertreter des Schulvorstandes im Auftrage der Regierung an den Aufnahmeprüfungen im Herbst f822 und 1823 teil. Am 25, Okt. 1828, unmittelbar nach der feierlichen Eröffnung des Vollgymnasiums, wurde infolge der „vermehrten Wichtigkeit seines Standpunktes" eine anderweitige Zusammensetzung des Schulvorstandes verfügt,[47] Das Präsidium wurde nun dem Landrat Mersmann übertragen, während der Bürgermeister als Rendant weiterhin Mitglied des Schulvorstandes blieb. Von größter Bedeutung war natürlich die Frage, wie weit die Schüler nach dem preußischen Lehrplane auf der hiesigen Lehranstalt, die 1818 wie bisher nur 3 Klassen, bezw. 3 Lehrer hatte, gefördert werden konnten. Im Gegensatz zu Magistrat und Bürgerschaft der Stadt Coesfeld, die aus leicht begreiflichen Gründen den bisherigen Umfang der Schule mit 5, wenn auch z. T. kombinierten Klassen beizuhalten wünschten, vertrat die Regierung, wie aus einer Verfügung vom 29, Okt. 1819 6) hervorgeht, den Standpunkt, es sei nicht möglich, mit 3 Lehrern den gesamten Kursus des Gymnasialunterrichts, den die allgemeine Schulordnung des Staates vorschrieb, ganz durchzuführen. Ein vollständiges Gymnasium nach preußischem Muster mußte 6 Klassen, also noch eine mehr als das frühere Jesuitengymnasium, haben und seine Schüler so weit führen, wie sie sonst auf dem Gymnasium und den philosophischen Klassen insgesamt gebracht wurden, so daß sie aus dem Gymnasium unmittelbar zu den eigentlichen akademischen Fakultätsstudien übergehen konnten. Da ein vollständiges Gymnasium mindestens 7 Lehrer erforderte, so konnte nach der Ansicht der Behörde eine Schule, die nur 3 Lehrer hatte, dem entsprechend auch nur etwa die 3 unteren Klassen ersetzen. Um jedoch die Umstellung des Unterrichtsplanes zu erleichtern, und weil die Anstalt noch viele ältere Schüler hatte, sah die Behörde einstweilen davon ab, die Benennung und die Zahl der Klassen endgültig festzusetzen. Sie empfahl jedoch, keine gesonderten Abteilungen mehr in den Klassen zu bilden, sondern statt dessen, den Lehrstoff so auszuwählen, daß alle Schüler derselben Klasse dem Unterrichte folgen konnten. Die Auswahl der Schriftsteller und überhaupt die gesamte Einrichtung der Lehrpläne sollten in der Weise geregelt werden, daß die Schwächeren sich mit einiger Anstrengung einfinden, die Vorgerückteren aber immer noch


etwas lernen konnten." Man erkennt die Absicht der Regierung, die durch diese vorläufige Regelung die endgültige Umwandlung und Anpassung der Schule an die preußischen Gymnasiallehrpläne vorbereiten wollte. Im Herbst 1821 bewilligte das Consistorium die vierte Lehrerstelle und erwartete dadurch eine weitere Vervollständigung des Lektionsplanes. Die Anstalt sollte von diesem Zeitpunkte ab tatsächlich nicht mehr als 4 Klassen führen. Es wurde jedoch gestattet, daß einige Schüler, welche schon die vierte Klasse durchgemacht hatten, noch ein Jahr hier bleiben und den Namen Rhetoren führen konnten. Diese Schüler sollten auf die Weise gefördert werden, daß sie schwerere schriftliche Arbeiten machten, überhaupt mehr durch Privatarbeiten beschäftigt wurden und überdies in der Mathematik ein paar besondere Stunden erhielten. Daß die Regierung diese Ausnahmestellung auf ein weiteres Jahr zuließ, war ein großes Entgegenkommen, das um so mehr bedeutete, weil sie in Warendorf, Vreden, Recklinghausen und an allen ähnlichen Anstalten nur 4 Klassen gestattet und die ehemalige Poetica als die höchste Stufe festgesetzt hatte. Sie tat es hier, weil sie hoffte, durch Wiederherstellung aller ehemaligen Einkünfte der Schule die Zahl der Klassen künftig um eine weitere Klasse vermehren zu können. Diese fünfte Lehrerstelle wurde dann tatsächlich Anfang des nächsten Schuljahres geschaffen, so daß die Anstalt von 1822 ab 5 Klassen von VI—II hatte. Da die Verhandlungen über die Verwendung der ehemaligen Jesuitengüter immer noch nicht zum Abschluß gekommen waren, mußte die Stadt zur Besoldung des fünften Lehrers in den nächsten Jahren einen Zuschuß von je 175 Rthlr. zahlen, den sie sich in Ermangelung eigener Mittel in den Jahren 1822—1824 aus den Ueberschüssen der Armenfondskasse vorstrecken ließ und seit 1828 in Raten zurückzahlen mußte. Am Ende des Schuljahres 1822/23 veröffentlichte der Präfekt Born den ersten Jahresbericht über das Progymnasium zu Coesfeld. Derselbe enthält außer einem kurzen geschichtlichen Vorwort einen Ueberblick über die Unterrichtsgegenstände in den 5 Gymnasialklassen, eine namentliche Aufzählung der Schüler der einzelnen Klassen und ein Verzeichnis derjenigen Schüler, „welche als die Besten in den benannten Fächern, einer öffentlichen Prüfung würdig erklärt" wurden. Auch über die folgenden Jahre sind gedruckte Berichte erschienen und erhalten, so daß wir seit diesem Zeitpunkte die Chronik der Anstalt in den einzelnen Jahresberichten fortgesetzt finden. [48] Die Frequenz des Progymnasiums belief sich am Schlusse des Schuljahres 1821 auf 40, 1822 auf 61 Schüler, 1823 auf 60, 1824 auf 53, 1825 auf 65, 1826 auf 70, 1827 auf 89, 1828 auf 92 Schüler; die Schülerzahl war also von 1821—1828 auf mehr als das Doppelte gestiegen. Das Schulgeld: betrug nach den Angaben von Boedeker[49] 1826 rund 7 einhalb Rthlr.; außerdem hatten die Schüler 3 Rthlr. Silentiumsgeld jährlich zu entrichte-und seit 1825 ein sog. Ascensionsgeld, das für die Schüler der Sexta und



Quinta 15 Sgr„ für die der Quarta 20 Sgr. und für die Tertianer 1 Rthlr. ausmachte. Das Ascensionsgeld diente zur Beschaffung einer Schülerbibliothek. Den sog. Arm-Studierenden, die bei der Aufnahme eine Dürftigkeitsbescheinigung des Pfarrers und der Ortsbehörde vorzulegen hatten, wurde das Schulgeld nach Prüfung der Verhältnisse durch den Schulvorstand nachgelassen. Auf einen Antrag des Schulvorstandes wurde 1822 von der Regierung bestimmt, daß die Zahl dieser Arm-Studierenden nicht mehr als ein Achtel der Gesamtzahl der Schüler betragen sollte, während die Freischüler in den vorhergehenden Jahren infolge einer allzu oberflächlichen Prüfung der Dürftigkeit und Würdigkeit einen verhältnismäßig hohen Prozentsatz ausgemacht hatten; so waren z. B. 1821/22 von 61 Schülern 20 vom Schulgeld befreit. Im Schuljahr 1822/23 unterrichteten an der Anstalt außer dem Präf. Born die Lehrer Anton Hesselmann, Bernhard Hartmann, Dr. Christoph Marx und Franz Wagner; 9) von ihnen hatte Marx, der im Jahre 1821 zum 4. Lehrer ernannt worden war, als einziger ein eigentliches philologisches Studium in Münster und Bonn durchgemacht; die übrigen Lehrer waren Geistliche, die ihren Lehrauftrag unter der Bedingung erhalten hatten, daß sie sich nach Ablauf einer bestimmten Frist einem philologischen Examen unterziehen sollten. Zur Entlastung des kränklich gewordenen Präf. Born trat Ostern 1827 Hilfslehrer Franz Rump 9) in das Kollegium ein und im Herbst 1827, als Born vom Dienste gänzlich befreit wurde, Oberlehrer Franz Budde.[50] Die Anstalt hatte nun 6 Lehrer, 3 geistliche und 3 weltliche. Zu den seit Herbst 1822 vorhandenen Klassen kam Herbst 1827 als 6. Klasse eine Secunda Superior, die freilich fast in allen Fächern mit der Secunda inferior vereinigt war; nur in den schriftlichen Arbeiten im Lateinischen und im Griechischen und in 2 Vergilstunden waren die beiden Abteilungen getrennt. Die Unterscheidung wurde anscheinend deshalb eingeführt, weil die Anstalt im folgenden Jahre zu einem vollständigen Gymnasium ausgebaut werden sollte. Die Secunda Superior wurde im Schuljahr 1828/29 als Prima geführt. Die Verteilung des Unterrichtsstoffes ist in der ganzen Zeit von 1822 bis 1828 im wesentlichen dieselbe geblieben.[51] Seit der Anstellung der 6. Lehrkraft fiel die bis dahin noch gebräuchliche Kombination der Deutsch- und Religionsstunden z. T. fort. Zu Beginn des neuen Schuljahres wurde Bernhard Sökeland, bisher Oberlehrer am Paulinum zu Münster, als Direktor nach hier versetzt und die Anstalt zu einem vollständigen Gymnasium erhoben.

Das staatliche Gymnasium[Bearbeiten]

Die Erhebung des Progymnasiums zu einem vollständigen Gymnasium wurde am 23. August 1828 durch die nachstehende Verfügung des Provinzial-Schulkollegiums zu Münster bekannt gegeben: „Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß, mit Genehmigung des hohen Ministerii der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten, das bisherige Progymnasium in Coesfeld zu einem vollständigen Gymnasium erhoben ist, und daß die neue Ordnung der Anstalt, mit der Prima als oberster Klasse und mit dem Rechte, ihre Schüler durch die gesetzmäßige Abiturienten-Prüfung zur Universität zu entlassen, mit dem bevorstehenden Schuljahre ihren Anfang nehmen wird. Zum Direktor des neuen Gymnasii hat das hohe Ministerium den bisherigen Oberlehrer am hiesigen Gymnasium, Herrn Bernhard S ö k e l a n d , zu ernennen geruht. Wir dürfen die begründete Hoffnung hegen, daß der gute Geist, welcher bisher in dieser Anstalt geherrscht hat, in der erweiterten Gestalt derselben um so sicherer fortdauern werde, als ihr von nun an ein höheres Ziel gesteckt ist, und das nahe gedeihliche Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern in den nicht überfüllten Klassen, welches schon jetzt gute Frucht getragen, nunmehr bis an die Gränze alles Unterrichts und aller Erziehung, welche die Schule giebt, fortdauern wird." Münster, den 23. August 1828. Königl. Provinzial-Schul-Kollegium. Am 2 0. Oktober 1828 wurde das neue Gymnasium mit großer Feierlichkeit unter freudiger Anteilnahme der gesamten Bürgerschaft eröffnet. Im Stadtarchiv befindet sich unter den „Akten das Gymnasium betreffend" ein interessanter Bericht, der unter dem Eindruck der von den städtischen Behörden sorgfältig vorbereiteten und großartig verlaufenen Feier verfaßt worden ist, um kommenden Geschlechtern von der Bedeutung des Tages Kunde zu bringen. „Am gestrigen Tage", so schreibt der Berichterstatter am 21. Oktober 1828, „hat hier eine Feier stattgefunden, die noch lange in unserm Gedächtnis fortdauern wird. Wir feierten nämlich ein dreifach wichtiges Schulfest: die Stiftung unseres neuen Gymnasiums, die Einweihung des neuen Schulgebäudes und die Einführung des ersten Direktors. Von der Gymnasialkirche zogen die zahlreichen Festteilnehmer, Lehrer und Schüler des Gymnasiums, die Vertreter der staatlichen und örtlichen Verwaltungsbehörden, sämtliche Mitglieder des Schulvorstandes und des Gemeinderates in geschlossenem Zuge zu der neuen geräumigen Aula im ehemaligen Kloster Marienborn, wo als Vertreter des Provinzial-Schulkollegiums Konsistorialrat Kohlrausch den Direktor Bernhard Sökeland in sein neues Amt einführte. Eine solch bedeutungsvolle Feier hatte das ruhige Landstädtchen Coesfeld, das damals kaum 3000 Einwohner zahlte, seit langer Zeit nicht erlebt. Man war sich in Coesfeld wohl bewußt, was dieses Ereignis für die Stadt und das umliegende Land bedeutete! Vor den übrigen Landstädten des Münsterlandes war Coesfeld der Vorzug zuteil geworden, ein vollständiges Gymnasium zu besitzen, auf dem die Schüler ihre Gymnasialstudien zum Abschluß bringen konnten. Auch war die Stadt Coesfeld durch das neu gestiftete Gymnasium, das bald von auswärtigen Schülern in größerer Zahl besucht werden sollte, wieder wie zur Blütezeit der alten Jesuitenschule ein kultureller Mittelpunkt geworden für das Bildungsstreben weiter Kreise in Stadt und Land. Ein lang ersehnter Wunsch der Bürgerschaft war durch die Fürsorge der preußischen Regierung, insbesondere durch das Wohlwollen des Oberpräsidenten v. Vincke und des Konsistorialrates Kohlrausch in Erfüllung gegangen, das Ziel erreicht, für das der hiesige Schulvorstand, vor allem Bürgermeister Holtermann und Präfekt Born seit mehreren Jahren gestrebt und gearbeitet hatten! Die übrigen höheren Stadtschulen, bezw, Progymnasien, die zu Beginn der preußischen Herrschaft im Münsterlande bestanden, sind außer Recklinghausen, das ebenfalls 1828 zum vollständigen Gymnasium erhoben wurde, erst viel später zu Vollanstalten ausgebaut worden (z. B, Warendorf 1857, Rheine 1861, Dorsten 1903). Es gab bis zum Jahre 1828 im Regierungsbezirke Münster nur ein einziges vollständiges Gymnasium; das war das Gymnasium Paulinum in der Hauptstadt selbst. Das Bedürfnis nach einem oder einigen Gymnasien im Münsterlande (die beiden anderen Regierungsbezirke Westfalens hatten damals je 4 Gymnasien) war schon lange vorhanden gewesen, um die Ueberzahl der Schüler von dem Gymnasium in Münster abzulenken, das im Schuljahr 1828/29 über 500 Schüler hatte und 70 Abiturienten die Reife zu dem akademischen Studium erteilte. Man wird vielleicht fragen, weshalb das Progymnasium in Coesfeld früher als die übrigen höheren Lateinschulen zur Vollanstalt erweitert wurde. Zwei Gründe waren dafür ausschlaggebend: 1. Die günstige Entwicklung der Anstalt, deren Schülerzahl in den vorhergehenden Jahren seit der Anerkennung des Progymnasiums auf das Doppelte gestiegen war, und 2. der Umstand, daß inzwischen die Verhandlungen über die Verwendung der ehemaligen Coesfelder Jesuitengüter zum Abschluß gekommen waren. Die Mittel, die für ein vollständiges Gymnasium mit 6 Klassen erforderlich waren, wurden aus dem Münsterischen Studienfonds mit Hülfe eines staatlichen Zuschusses aufgebracht; dazu kam eine jährliche Rente von 800 Rthlr,, die der Fürst zu Salm-Horstmar auf Grund des mit der Krone abgeschlossenen Vertrages zahlte. Außerdem hatte sich die Stadt durch Beschluß vom 7. April 1828 bereit erklärt, für 1829 und die folgenden Jahre, bis der Bestand des Gymnasialfonds sich gebessert habe, einen jährlichen Zuschuß von 300 Rthlr. beizusteuern. Als der Gymnasialfonds im Jahre 1839 durch einen Vergleich mit dem Grafen von Landsberg-Gemen in den Besitz eines Kapitals von 10 000 Rthlr. gelangt war, das jährlich 400 Rthlr. Zinsen einbrachte, unternahm die Stadt — jedoch ohne Erfolg — Schritte, um von dieser Verpflichtung befreit zu werden; der städtische Zuschuß betrug später 350 Rthlr, Mit dem Tage der Eröffnung bezog das Gymnasium ein für damalige Begriffe geradezu ideales Schulhaus in dem ehemaligen Kloster Marienborn ,das für 10 000 Rthlr, angekauft und für die Zwecke der Schule eingerichtet wurde. Es gewährte Raum für alle Klassen, die Bibliothek, den physikalischen und naturwissenschaftlichen Apparat und außerdem eine


Wohnung für den Direktor mit einem ansehnlichen Garten. Auch die Mehrzahl der Lehrer bekam in dem geräumigen Gebäude Wohnungen angewiesen. Ein Teil der Räume blieb dem bisherigen Eigentümer, dem fürstlichen Geheimrat v, Riese, noch zur vorläufigen Weiterbenutzung überlassen; es war beabsichtigt, nach Freigabe dieser Räume ein „Pädagogium" für auswärtige Schüler einzurichten, ein Plan, der freilich nicht zur Ausführung gekommen ist. Der Gymnasialkursus umfaßte anfangs 7 Jahrgänge in 6 Klassen: Sexta, Quinta, Quarta, Tertia, Secunda inferior, Secunda Superior und Prima; die Obersekunda wurde in allen Unterrichtsstunden mit Ausnahme der schriftlichen lateinischen Arbeiten zusammen mit der Prima unterrichtet, so daß also tatsächlich ein zweijähriger Primakursus bestand. Zur Aufnahme in die unterste Klasse des Gymnasiums wurde außer den Elementarkenntnissen im Deutschen und im Rechnen auch noch die Bekanntschaft mit der lateinischen Formenlehre und den Hauptregeln der Syntax nebst einiger Uebung im Hin- und Herübersetzen gefordert. Die Anfangsgründe des Lateinischen vermittelte entweder die in unserer Stadt bestehende Trivialschule, oder auf dem Lande ein meistens von den Geistlichen eingerichteter Privatunterricht, Die Vorbereitung scheint in beiden Fällen in gleicher Weise mangelhaft gewesen zu sein. Die ältere Lateinschule der Stadt, von den Jesuiten als Trivial-, d. h. Vorschule zum Gymnasium weitergeführt, hat in dieser Zeit den ursprünglichen Charakter einer lateinischen Vorbereitungsschule bereits verloren. Als sog. „Rektorschule" diente sie in der Hauptsache dem Elementarunterricht; der lateinische Unterricht in den eigentlichen Schulstunden hatte gänzlich aufgehört und war auf die Silentiumsstunden abends von 5—7 beschränkt worden. Diesem Uebelstande war nach der Ansicht des Direktors Sökeland nur dadurch abzuhelfen, daß entweder die bisherige Trivialschule wie vorher die Vorbereitung der für das Gymnasium bestimmten Schüler als ihren Hauptzweck betrachtete und wieder enger mit dem Gymnasium verbunden wurde, oder daß das Gymnasium um eine Klasse erweitert wurde, in der die Vorbereitung der Schüler zweckdienlicher und mit größter Rücksicht auf die Anforderungen des Gymnasialunterrichtes geschehen konnte. Mit Beginn des Schuljahres 1831 wurde diese Vorbereitungsklasse als Septima oder Subinfima eingerichtet. Der von Sökeland aufgestellte Lehrplan, den die Schulbehörde in allen Teilen als sehr zweckmäßig befunden hatte, schloß sich aufs engste an den Unterricht des Gymnasiums an. Von den 29 wöchentlichen Lehrstunden dieser Vorbereitungsklasse waren 10 für den lateinischen Unterricht, 6 für die deutsche Sprache, 3 für den Religionsunterricht, 4 für Geschichte und Geographie, 4 für die mathematischen Vorübungen und 2 für das Schönschreiben bestimmt. Die Folge dieser Einrichtung war eine gründlichere und vielseitigere Vorbildung der Schüler als bisher, aber zugleich auch eine Erhöhung der Anforderungen bei denjenigen Schülern, die etwa durch Privatunterricht vorbereitet unmittelbar in die Sexta einzutreten wünschten. Die bisher am Schlusse jedes Schuljahres abgehaltene „Komposition" der Elementarschüler für die Aufnahme in die Sexta fand zum letzten Male im Herbste 1831 statt. Der Kursus der Septima, in die die Schüler im Alter von etwa 10 Jahren einzutreten pflegten, dauerte in der Regel 2 Jahre; ältere und fähigere Schüler wurden aber schon nach einem Jahre in die Sexta aufgenommen.


Als im Jahre 1835 für alle Gymnasien der Provinz Westfalen ein gleichmäßiges Klassensystem angeordnet und die Dauer des Gymnasialkursus auf 9 Jahre festgesetzt wurde, wurden hier die beiden Vorbereitungsklassen endgültig mit dem Gymnasium verbunden und die allgemein gebräuchlichen Klassennamen eingeführt: Die bisherige Prima wurde nun Oberprima, die Secunda Superior Unterprima, die Secunda inferior Obersekunda, die Tertia Untersekunda, die Quarta Obertertia, die Quinta Untertertia, die Sexta Quarta, die oberste Abteilung der Vorbereitungsklasse Quinta und die unterste Abteilung derselben Sexta. Da Ober- und Unterprima und Ober- und Untersekunda kombiniert blieben, waren also seit Herbst 1835 sieben selbständige Klassen vorhanden. Außer dem Direktor wirkten nun an der Anstalt 7 Gymnasiallehrer, bezw, Oberlehrer, Ostern 1836 wurde die Stelle eines Gesanglehrers und die eines Zeichenlehrers am Gymnasium neu eingerichtet. Die Unterrichtsfächer waren in jener Zeit fast durchweg dieselben, die heute noch am Gymnasium gelehrt werden, allerdings mit dem Unterschiede, daß die klassischen Sprachen, besonders die lateinische, durch die auf sie entfallende Stundenzahl vor den übrigen Fächern mehr hervortraten. Bemerkenswert ist es, daß für Philosophie auf Prima eine, bezw. zwei Wochenstunden im Lehrplan vorgesehen waren und daß Französisch erst seit 1830 in den Anstaltslehrplan aufgenommen wurde. Die Leibesübungen, die heute in dem Erziehungs- und Unterrichtsplan der höheren Schulen größte Bedeutung haben und seit einigen Jahren Prüfungsfach in der Reifeprüfung geworden sind, fehlten vor 100 Jahren noch gänzlich im Lehrplan des Gymnasiums. Es verdient daher besonders hervorgehoben zu werden, daß Direktor Sökeland gleich im zweiten Jahre seiner hiesigen Amtstätigkeit durch die Einrichtung eines Spielplatzes für die Schüler des Gymnasiums die freiwilligen gymnastischen Uebungen an der Schule zu fördern suchte. Die Einrichtung wurde durch das Entgegenkommen des Fürsten zu Salm-Horstmar ermöglicht, der für den genannten Zweck einen bequemen und geräumigen Platz auf der sog, Citadelle zur Verfügung stellte. Der Platz wurde im Winter 1831 durch Militär, das zu der genannten Zeit hier einquartiert war, geebnet und in den folgenden Jahren verbessert. Die gymnastischen Uebungen wurden 1839 weiter ausgebaut und seitdem regelmäßig an zwei Nachmittagen in der Woche unter der Leitung eines Lehrers abgehalten. Die Teilnahme an denselben war den Schülern freigestellt; 1840 nahmen von 102 Schülern 45 daran teil und im folgenden Jahre von 118 Schülern 54, Die gymnastischen Uebungen durch die Anschaffung von Turngeräten weiter auszugestalten und insbesondere den Turnplatz zu verbessern, war Gegenstand der besonderen Sorge des Direktors; das geht hervor aus einer Eingabe vom 6. Juni 1844 an die städtischen Behörden, in der u. a. angeregt wird, „den Turnplatz mit Baumgruppen und Anlagen so bepflanzen zu lassen, daß derselbe in ein freundliches Wäldchen umgewandelt werden und auch der städtischen Umgebung zur Verschönerung gereichen wird," Es war dem Direktor nicht vergönnt, diesen Plan verwirklicht zu sehen. Schon im Frühjahr des nächsten Jahres starb er im besten Mannesalter eines allzu frühen Todes, Im April 1845 wurde der Platz auf Veranlassung des Fürsten Friedrich Karl August zu Salm-Horstmar mit 177 Ahornbäumen auf drei Seiten in doppelten, auf


der vierten Seite, wo sich das früher zum Aufheben der Turngeräte dienende Gewölbe befindet, in siebenfachen Reihen bepflanzt und im Dezember desselben Jahres durch eine Buchenhecke umfriedigt. Auf diesem Turnplatze spielte sich im Laufe der Jahre das frohe turnerische Treiben der Gymnasiasten ab, bis in unseren Tagen der neue städtische Sportplatz erstand und der alte Gymnasialturnplatz mit dem prächtigen Baumbestande zu den Anlagen um die Stadthalle hinzugenommen wurde. Durch einen Ministerial-Erlaß vom Jahre 1844 wurden die Leibesübungen als ein notwendiger und unentbehrlicher Teil der Gymnasialerziehung anerkannt und bestimmt, daß die Teilnahme aller Schüler an denselben als Regel vorausgesetzt werden müsse. In einzelnen Fällen durften jedoch auf den Wunsch der Eltern Schüler davon befreit werden. Zur Bestreitung der Kosten, welche diese Erweiterung des Gymnasialunterrichtes verursachte, wurden von allen Schülern mit Ausnahme der Freischüler am hiesigen Gymnasium halbjährlich 10 Sgr. erhoben. Die Leitung der Uebungen wurde einem Hülfslehrer übertragen. Aus dem inneren Betriebe des Gymnasiums in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens seien noch einige Einzelheiten erwähnt, die geeignet sind, ein Bild von den damaligen Verhältnissen zu geben. Am Schlüsse eines jeden Schuljahres fanden die öffentlichen Ehrenprüfungen statt, in denen die besten Schüler der einzelnen Klassen im Beisein der Mitglieder des Curatoriums, der Eltern und der Freunde der Anstalt geprüft und mit Prämien beschenkt wurden. Die Schüler der unteren und mittleren Klassen hatten täglich von 5—7 Uhr in den besonderen Silentienstunden ihre Vorbereitungen für den Unterricht zu erledigen. Es bestanden meistens 2 Abteilungen; in der einen führte ein Hülfslehrer, in der andern die übrigen Lehrer abwechselnd die Aufsicht. Eine sehr nützliche Einrichtung war auch der 1831 gegründete Leseverein, dessen Leitung Oberlehrer Budde übernahm. Für einen halbjährigen Beitrag von 1 Rthlr. verschaffte der Verein den Mitgliedern die wertvollsten Werke der neueren Literatur zur Lektüre. Nach vollendetem Umlauf gingen die Bücher an die Gymnasialbibliothek über. Der Verein fand bei den Schülern großes Interesse; schon im ersten Jahre konnten aus den Vereinsbeiträgen 30 Bücher angeschafft werden. In den folgenden Jahren war die Zahl der durch den Verein erworbenen schönen Literaturwerke nicht geringer. Die Bibliothek und die Lehrmittelsammlung des Gymnasiums waren im Anfang recht ärmlich. Der größte Teil der umfangreichen Jesuitenbibliothek war nach der Auflösung des Ordens nach Münster gewandert, der Rest in den Jahren, als das alte Kolleggebäude und das ehemalige Schulhaus geräumt werden mußte, verstreut worden und verloren gegangen. Eine Lehrmittelsammlung war so gut wie garnicht vorhanden. Mit welcher Sorge und zugleich mit wie großem Erfolge Direktor Sökeland von Anfang an bemüht gewesen ist, diese für die Schule überaus notwendigen Einrichtungen auszubauen bezw. zu begründen, lassen die Jahresberichte erkennen. Mit der Einrichtung eines physikalischen und mathematischen Apparates wurde gleich im ersten Schuljahre begonnen; das Ministerium der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten bewilligte für diesen Zweck eine Summe von 343 Thalern. Die Naturaliensammlung, zu welcher durch eine besondere Zuwendung des Oberpräsidenten v. Vincke bereits in den Jahren des Progymnasiums der Grund gelegt war, konnte Jahr für Jahr besonders durch die zahlreichen Geschenke von Seiten der Freunde und Gönner des Gymnasiums vermehrt werden. Neu angelegt wurde eine mineralogisch-geologische Sammlung, welche die in der hiesigen Gegend zahlreich vorkommenden Versteinerungen zum ersten Male vollständig vereinigen sollte, außerdem ein vollständiges Herbarium unserer heimatlichen Pflanzen, Auch die Anfänge einer Münzsammlung gehen in das Jahr 1832 zurück- Eine Sammlung von Schulbüchern zur Unterstützung dürftiger Schüler wurde ebenfalls schon in den ersten Jahren begonnen. Es ist eine erfreuliche Tatsache, daß weite Kreise in Stadt und Land an dem Emporblühen und an der Arbeit des neuen Gymnasiums mit großem Interesse teilnahmen und ihr Verständnis für die Aufgaben der Schule durch mannigfache Unterstützung bewiesen. Die Sammlungen der Anstalt sollten nach dem Willen ihres Begründers und im Sinne des Heimatfreundes Sökeland „nicht nur den Lehrern und Schülern und durch diese den kommenden Geschlechtern zu großem Vorteile, sondern auch der Stadt zur Zierde und den Gelehrten und wissenschaftlich gebildeten Männern der Umgegend zu mannigfaltigem Nutzen gereichen". Noch eine andere Einrichtung außerhalb des lehrplanmäßigen, Unterrichts muß hier erwähnt werden, 1840 wurde ein Privatkursus in der englischen Sprache eingeführt, der zunächst für diejenigen Schüler, die sich nicht den akademischen Studien widmen wollten, bestimmt war, an dem jedoch auch einige andere Schüler teilnahmen. Den Unterricht erteilte Gymnasiallehrer Wedewer in 2 wöchentlichen Stunden. Als dieser 1843 als Inspektor der Selektenschule nach Frankfurt a, M, berufen wurde, konnte der Kursus leider nicht weitergeführt werden. Es mag von vornherein nicht leicht gewesen sein, die Leistungen der Schule den Anforderungen der preußischen Lehrpläne anzupassen. Wie sehr Direktor Sökeland in dieser Hinsicht das Ansehen der Schule zu heben, bemüht gewesen ist, geht hervor aus einer im ersten Jahresbericht des Gymnasiums veröffentlichten Mitteilung. „Die Erfahrung, daß einzelne junge Leute, ohne inneren und äußeren Beruf, oft schon im vorgerückten Alter, zum Studieren drängen, um auf den Bänken einige bequeme Jahre in Faulheit zubringen zu können, haben auch wir machen müssen. Wir werden fortfahren, solche durch nichts zum Studieren berufenen Schüler zu praktischer Arbeit zurückzuführen, was uns bereits bei einigen gelungen ist," So ist es vielleicht zu erklären, daß die Frequenz der Anstalt unter dem ersten Direktor durchweg die gleiche geblieben ist. Die Höchstzahl von 160 Schülern im Jahre 1831 hängt offenbar mit der Einrichtung der Septima zusammen. Im übrigen schwankt die Schülerzahl mit geringer Ausnahme zwischen 115 und 125. Daß aber die Bemühungen des Direktors, die Leistungen der neu gegründeten Anstalt in regem Wetteifer mit den älteren Gymnasien der Provinz zu steigern, erfolgreich gewesen sind und daß das Coesfelder Gymnasium durch Sökeland sichtlich emporblühte, bezeugt uns niemand anders als Friedrich Kohlrausch, jener verdienstvolle Begründer und Förderer des höheren Schulwesens in der neu gebildeten Provinz Westfalen, (Erinnerungen aus m. Leben (1863), S. 252.) Er widmet dem umsichtigen und erfolgreichen Wirken des ersten Coesfelder Gymnasialdirektors Worte hoher Anerkennung und würdigt die Verdienste des einflußreichen Lehrers und seinen gründlich Wissenschaftlichen Sinn. Nichts ist mehr geeignet, die Uneigennützigkeit seines Charakters und seine hohe Auffassung von der ihm in Coesfeld übertragenen Aufgabe zu kennzeichnen, als die Worte, mit denen Sökeland dem Curatorium die Ablehnung der ihm angebotenen Direktorstelle in Düsseldorf mitteilte; „Wiewohl ich nicht läugne, daß das größere Gehalt (1000 Rthlr. statt 700), welches mit der von mir abgelehnten Stelle verbunden war, der größere Wirkungskreis und die höhere Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft, welche mir wenigstens in der Meinung der Menschen jene Stelle gegeben haben würde, einigen Eindruck auf mich gemacht haben, so empfinde ich dennoch eine lebhafte Freude darüber, daß ich mich von dem hiesigen Gymnasium, an welchem ich manche Einrichtung als meine Schöpfung betrachten kann, und welches meinem Herzen theuer geworden ist, jetzt nicht trennen werde." (24. Nov. 1831.) Leider war es Sökeland nicht vergönnt, so lange an der Spitze des Coesfelder Gymnasiums zu stehen, wie man nach menschlicher Voraussicht hätte erwarten können. Im besten Mannesalter von 47 Jahren starb er am 28. Februar 1845. Sein Name wird mit der Geschichte des Coesfelder Gymnasiums, dessen erster Direktor er war, unzertrennlich verbunden sein; auch wird das Andenken des verdienstvollen Heimatforschers stets in Ehren gehalten sein, besonders in der Stadt Coesfeld, welche ihm die meisterhafte Darstellung ihrer Geschichte verdankt. Mit der Eröffnung des vollständigen Gymnasiums und der Anstellung des Direktors Sökeland änderte sich die Zusammensetzung des bisherigen Schulvorstandes und die ihm überwiesenen Aufgaben und Rechte, Durch die besondere ,,Dienstinstruktion für das Gymnasial-Curatorium zu Coesfeld" vom 18. Okt. 1837 wurde die dienstliche Tätigkeit des Curatoriums auf die äußere Verwaltung des Gymnasiums beschränkt. Es prüfte den vom Rendanten des Gymnasiums aufgestellten Etat und konnte innerhalb der Etatsgrenzen selbständig verfügen; insbesondere war ihm die Verwaltung des Gymnasialvermögens, die Verpachtung des zum Gymnasialfonds gehörenden Grundeigentums und die Aufsicht über alle zum Gymnasium gehörigen Gebäude und über die erforderlichen Reparatur- und Neubauten übertragen. Bei den Abiturientenprüfungen war das Curatorium durch ein von der Schulbehörde erwähltes Mitglied, den deputatus curatorii, vertreten. Die innere Leitung des Gymnasiums, die Aufsicht über den ganzen Lehrgang und die Disziplin führte allein der Direktor, der als Mitglied des Curatoriums vierteljährlich in einer Sitzung über die wichtigen Vorfälle und Veränderungen an der Anstalt den übrigen Mitgliedern Vortrag zu halten pflegte. Die vorhandenen Freistellen, deren Zahl im ersten Jahrzehnt ein Achtel, später ein Zehntel der Gesamtschülerzahl betrug, wurden nach dem Vorschlage des Lehrerkollegiums, das allein über die Würdigkeit und Dürftigkeit zu entscheiden hatte, formell vom Curatorium verliehen. In dieser Form ist das Curatorium bis 1919 bestehen geblieben; als im genannten Jahre der damalige Vorsitzende Landrat Freiherr von Fürstenberg aus dem Amte schied, wurde ein neuer Vorsitzender nicht mehr ernannt, und das Curatorium aufgelöst. Die Ernennung der Mitglieder erfolgte durch das Provinzial-Schulkollegium. Die Vorsitzenden des Curatoriums waren von 1828—1867 Landrat Mersmann, von 1867—1904 Landrat von Bönninghausen, von 1904 bis 1909 Landrat Freiherr von Fürstenberg. Den stellvertretenden Vorsitz führte der jeweilige Direktor. Das Ehrenamt eines deputatus curatorii mit dem Rechte, an den Abiturientenprüfungen teilzunehmen, hatten inne: Pfarrdechant Wilminck (1828—1850), Pfarrdechant Ruland (1851—1874), Pfarrer Stuhlreyer (1874-—1875), Justizrat und Bürgermeister Strobandt (1876—1892), Pfarrdechant August Kösters (1892—1907), Landdechant und Pfarrer Niehof (1907—1909), Pfarrdechant Hermann Kösters (1910 bis 1919). Sonstige Mitglieder des Curatoriums waren Pastor Hülswitte (seit 1828), Kammerdirektor Schmitz (1828), Steuerempfänger von Bönninghausea (1828), Justizrat Zumloh (1855), Kammersekretär Rose (1855), Bürgermeister Meyer (1874), Pfarrer Gruwe (1910) und Bürgermeister Lübbesmeyer (1910). Nach dem Tode Sökelands leitete Prof. Rump ein Jahr lang als interimistischer Dirigent die Anstalt. Zum zweiten Direktor des Coesfelder Gymnasiums wurde Prof. Dr. A. Schlüter, bisher Oberlehrer in Arnsberg, ernannt und am 10. Febr. 1846 in sein Amt eingeführt. Fast volle 25 Jahre hat er an der Spitze der Anstalt gestanden und das Erbe Sökelands treu gehütet. Auf der von dem ersten Direktor geschaffenen Grundlage, und da die Arbeit in seinem Geiste fortgeführt wurde, war ein weiteres gedeihliches Fortbestehen der Anstalt gesichert. Die Arbeit der Schule fand wiederholt die Anerkennung der Behörde; u. a, bekundete Staatsminister Flottwell bei einer Besichtigung der Anstalt am 4. Nov. 1846 mit anerkennenden Worten seine besondere Teilnahme an dem Gedeihen des Coesfelder Gymnasiums. Die Schülerzahl, welche im ersten Jahrzehnt von Schlüters Amtstätigkeit, abgesehen von einem zeitweiligen Rückgange zu Anfang der fünfziger Jahre, von 142 auf 182 ständig gestiegen war, ging in den sechziger Jahren auffallenderweise zurück, bis sie im Jahre 1867, wie 30 Jahre vorher, auf 113 herabsank, Schuld daran war, daß damals die unvollständigen Gymnasien in Rheine (erste Abiturientenprüfung im Sommer 1863) und in Burgsteinfurt (erste Abiturientenprüfung zu Ostern 1861) Vollanstalten wurden; auch waren seit 1865 an der damaligen höheren Bürgerschule in Bocholt die Klassen VI—II und überdies neben IV und III eine Gymnasialabteilung für gesonderten lateinischen und griechischen Unterricht vorhanden. Was die Ausgestaltung des Anstaltslehrplanes betrifft, ist zu erwähnen, daß mit Beginn des Schuljahres 1844/45 für die evangelischen Schüler regelmäßiger Religionsunterricht eingeführt wurde, den Hofprediger Doepping übernahm; anfangs bestanden nur 2 Abteilungen mit je einer Wochenstunde, seit 1866 3 Abteilungen mit zusammen 6 Wochenstunden. — Auch der Turnunterricht, der bisher nur in losem Zusammenhang mit dem eigentlichen Schulbetrieb gestanden hatte, wurde 1845 lehrplanmäßig geregelt und durch die Anschaffung von Turngeräten zweckdienlicher ausgestaltet. Während in früheren Jahren kaum die Hälfte der Schüler an den gymnastischen Uebungen teilgenommen hatte, wurden jetzt die Befreiungen seltener: 1845 waren unter 168 Schülern 133 Turner, im folgenden Jahre war das Verhältnis 176:141. Im Sommer 1846 wurde auch eine Schwimmbahn in der Berkel, etwa 10 Minuten unterhalb der Stadt neu eingerichtet, wo die Schüler bei günstigem Wetter an vier Abenden in der Woche unter Aufsicht eines Lehrers Schwimmübungen anstellten,


lichen Unfugs, so daß vom Landrat eine Bewachung dieser „Wachthabenden" angeordnet werden mußte. Auch hielt es das Lehrerkollegium für notwendig, fünf Schüler als „die am meisten gravierten Teilnehmer an den jüngsten vielfach beklagten Unordnungen, durch welche die Ruhe der Stadt sehr beeinträchtigt und sogar die Sicherheit von Personen und Eigenthum gefährdet wurde", von der Anstalt zu verweisen. Während der Beschluß den genannten Schülern bekannt gegeben wurde, sollte ein Polizeidiener in der Nähe des Gymnasiums „vigiliren", „da die Verweisung vielleicht starke Sensation machen könnte". (Stadtarchiv) Uebrigens hatte sich in jenen Tagen (Anfang April 1848) auch eine Art Schülerbeirat gebildet, von dem eine „Petition" ausgearbeitet und dem Direktor überreicht wurde. Dreierlei wurde darin verlangt; Abschaffung der Klassenbücher, freier Wirtshausbesuch und Anrede der Schüler der oberen Klassen mit „Sie". Die Forderungen wurden mit Ausnahme der ersten bewilligt. So stand es mit der viel gepriesenen Schulzucht in der guten, alten Zeit, Zum Nachfolger Schlüters, der nach fast fünfundzwanzigjähriger Tätigkeit als Direktor in Coesfeld am 26, Nov. 1870 starb, wurde Dr. Franz Jos. Scherer, bisher Oberlehrer am Paulinum zu Münster, ernannt und am 6. Mai 1871 in sein Amt eingeführt. Als er am 1. Okt. 1877 die Leitung des Gymnasiums in Arnsberg übernahm, wurde Dr, Franz Peters, der als Gymnasialdirektor seit 1853 in Deutsch-Crone und seit 1866 am Paulinum in Münster gewirkt hatte, hierher versetzt. Seine Tätigkeit am hiesigen Gymnasium war nur eine kurze; er starb am 26. Nov. 1879. In dem Jahrzehnt von 1870—1880, unter den Direktoren Scherer und Peters, änderte sich an dem bisherigen Zustande der Anstalt wenig; die Zahl der Schüler hielt sich durchweg auf derselben Höhe wie bisher. Die nach dem glücklich verlaufenen Kriege von 1870/71 reichlicher fließenden staatlichen Mittel ermöglichten es, verschiedene durchgreifende Reparaturen und Verbesserungen an dem Schulgebäude vorzunehmen. Ein wesentlicher Fortschritt war der Bau einer Turnhalle, die 1878 vollendet wurde. Der Mangel eines geeigneten Turnlokals hatte sich schon längst immer stärker bemerkbar gemacht; jahrzehntelang hatte die von Schlüter schon in den vierziger Jahren geplante Einrichtung eines Winterturnlokals zurückgestellt werden müssen, weil keine Mittel für diesen Zweck zur Verfügung standen. — Seit dem Jahre 1875 wurde an unserem Gymnasium wie an allen höheren Lehranstalten der Rheinprovinz und Westfalens, das Schuljahr mit Ostern begonnen. In dem genannten Zeitraum konnten zwei verdiente Lehrer der Anstalt die seltene Feier ihres goldenen Dienstjubiläums begehen: Prof. Bernhard Hüppe am 8. Okt. 1873 und Prof. Franz Rump am 1. Mai 1877. Hüppe, der seine Lehrtätigkeit am damaligen Progymnasium in Vreden begonnen hatte, kam im Jahre 1833 an das Gymnasium in Coesfeld. Seine langjährigen Verdienste um Schule und Wissenschaft ehrte die philosophische Fakultät zu Münster durch Verleihung des Ehrendiploms der philosophischen Doktorwürde. Dieselbe Ehrung wurde auch Prof. Rump zuteil, dessen Lehrtätigkeit ein halbes Jahrhundert ausschließlich dem Gymnasium seiner Vaterstadt gewidmet war. Derselbe trat 1827 als Hülfslehrer am hiesigen Progymnasium in den Schuldienst und wurde, nachdem er von Herbst 1828 bis Ostern 1830 zur Fortsetzung seiner mathematischen und dessen Verfall kaum noch aufzuhalten war, vermochten auch verschiedene bauliche Veränderungen in den folgenden Jahren nicht, die immer stärker hervortretende Notwendigkeit eines gänzlichen Neubaues zu beseitigen. (s, hierzu Wolters, Von der Baugeschichte des neuen Gymnasiums, in dieser Festschrift). Das ruhige und geregelte Leben der Schule erlitt im August 1914 eine jähe Unterbrechung durch den Beginn des Weltkrieges. Das Gymnasialgebäude und die Turnhalle waren längere Zeit mit Truppen belegt, so daß der Unterricht nach den Herbstferien nicht gleich wieder begonnen werden konnte. Direktor Dr. Johannes Boedeker, der nach dem Tode des Direktors Darpe zum Leiter des Coesfelder Gymnasiums ernannt worden war (7. 8.1911), trat gleich am ersten Mobilmachungstage ins Heer. Außerdem wurden gleich bei Beginn des Krieges die Hülfslehrer Daniel und Dr, Kuhn (gefallen 6. Juli 1915) zur Fahne einberufen. Ihnen folgte im Herbste der evangelische Religionslehrer Pastor Martin Braune (gefallen 5. September 1916). Im Laufe des Winters wurden auch noch die Oberlehrer Trentmann und Perey zum Heeresdienste eingezogen. Weiterhin wurden in den nächsten Kriegsjahren die Oberlehrer Schrop, Tekotte und Dr. Pohlschmidt zum Heere einberufen. Trotzdem konnte der Unterricht, wenn auch durch vielfache Störungen beeinträchtigt, aufrecht erhalten werden, da seit Ostern 1915 die Parallelklassen fortfielen. Die Leitung der Anstalt war während der Zeit der Abwesenheit des Direktors (1. 8. 1914 bis Ostern 1916) dem Professor Wilhelm Roters übertragen. Sofort nach Ausbruch des Krieges meldete sich ein großer Teil der Schüler als Kriegsfreiwillige. Im August und September 1914 wurden 19 Oberprimaner geprüft und mit dem Zeugnis der Reife entlassen. Außerdem bestanden noch 11 Extraneer, die zum größten Teil frühere Schüler waren, die Notreifeprüfung. Sie zogen gleich in den ersten Monaten des Krieges als Freiwillige ins Feld. Mit ihnen wetteiferten die Unterprimaner und Sekundaner, um auch dabei zu sein und in jugendlicher Begeisterung der Heimat und dem Vaterlande zu dienen. Auch in den nächsten Kriegsjahren fanden noch Notreifeprüfungen statt (vergl, das Verzeichnis der Abiturienten); immer größer wurde die Schar der jungen Streiter, die von der Schule aus teils als Freiwillige, teils infolge eines Gestellungsbefehls ins Feld zogen, und immer leeret wurden die oberen Klassen der Anstalt. Die Namen der Lehrer und Schüler, die im Kampfe für unser liebes Vaterland ihr Leben geopfert haben, sind auf der Gedenktafel, die im Treppenhause des in der Kriegszeit erbauten neuen Gymnasiums angebracht ist, verewigt. Von den Mitgliedern des Lehrerkollegiums fielen auf dem Felde der Ehre: Oberlehrer Aloys Tekotte, Dr, phil. Friedrich Kuhn und Pfarrer Martin Braune. Und mit diesen starben viele frühere Schüler des Coesfelder Gymnasiums den Heldentod, Die Schule wird ihrer stets in Treue und dankbarer Bewunderung gedenken, Ruhm und Ehre ihrem Andenken!


Gefallenentafel:

OBERLEHRER ALOIS TEKOTTE DB PHIL. FRIEDRICH KUHN PFARRER MARTIN BRAUNE SCHÜLER: HERM. DALKMANN HEINRPOEPPELMANN LUDWIG ENTRUP ADOLF SCHMEKEN HERM.FORTKAMP PAUL SEYD TONIUS FROEHLICH JOSEF STORP === BERNH. GEHRMANN HEINRICH THOMS ADALBERT GRUENER RICH. UHLENBROCK HERMANN HEIMING JOSEF UPPENKAMP THEODOR HOEPING JOSEF WELLING LUDGER PELLE EWALD WIGGER LUDWIG PENNEKAMP W.WISSING JELLING UND MIT JHNEN VIELE FRUEHERE SCHUELER UNSERES GYMNASIUMS


Die Daheimgebliebenen verfolgten mit jugendlicher Begeisterung die Heldentaten ihrer Brüder im Felde. Die herrlichen deutschen Waffenerfolge verschafften ihnen manchen freien Tag zu froher, stolzer Siegesfeier. An den mannigfachen Kriegsarbeiten und Sammlungen beteiligten sich die Schüler mit größtem Eifer. Vor allem halfen sie tüchtig bei der Werbung für die Kriegsanleihe und bei der Goldsammlung. Reichliche Spenden wurden auch für das Rote Kreuz gesammelt und unseren Soldaten im Felde zugeschickt. Viele Schüler traten auch in die Jugendwehr ein, die hier gleich im Herbste 1914 gebildet wurde, und waren im Hilfsdienst tätig, besonders in der Landwirtschaft bei der Bergung der Ernte. Der Neubau des Gymnasiums wurde trotz mancherlei Störungen noch während des Krieges beendet. Am 13. Sept. 1927 fand der Umzug vom alten Gymnasium in den Neubau der Anstalt statt. Da die Aula in dem neuen Gebäude noch nicht vollendet war, mußte von einer größeren Festversammlung abgesehen werden, und Lehrer und Schüler verabschiedeten sich in einer schlichten Feier von dem alten Schulhause, dessen wechselvolle Geschichte und Bedeutung Direktor Boedeker bei dieser Gelegenheit in eindrucksvoller Rede schilderte. Die Sammlungen wurden unter Aufsicht der Lehrer von den Schülern selbst in das neue Heim hinübergeschafft. Mit der Einweihung der neuen Aula am 21. Oktober 1918 war der Neubau des jetzigen Gymnasialgebäudes trotz der vielen Kriegsschwierigkeiten glücklich vollbracht. Wenige Wochen später ruhten die Waffen. Der Krieg war beendet. Aber die große wirtschaftliche Not und immer neue politische Unruhen beeinträchtigten noch längere Zeit das ganze öffentliche Leben, insbesondere auch die Arbeit der Schule. Unser Gymnasium blieb in der Nachkriegszeit glücklicherweise nicht nur vor größeren Erschütterungen bewahrt, sondern es erfreute sich sogar trotz eines allzu häufigen Direktoren- und Lehrerwechsels in den letzten Jahren einer starken inneren und äußeren Entwicklung. Auf Direktor Boedeker, der am 1. Oktober 1919 nach Arnsberg versetzt wurde, folgten die Direktoren Dr. Hermann Widmann (1. 10. 1919 bis Herbst 1921), Dr. Franz Themann (1. 10. 1921—1. 4. 1927) und Heinrich Weinholz (1. 4. 1927—1. 4. 1928). Am 12. Mai 1928 wurde der jetzige Leiter der Anstalt, Studiendirektor Dr. Wilhelm Ernst, in sein Amt eingeführt. Im Jahre 1927 wurde unser Gymnasium als große Vollanstalt anerkannt. Im Sommerhalbjahre 1928, an der Schwelle des vierten Jahrhunderts seines Bestehens, wurde das Gymnasium von 484 Schülern besucht, die sich auf 15 Klassen verteilten. Seit 1921 ist auf der Mittelstufe realer Ersatzunterricht eingerichtet. Wir dürfen hoffen, daß die Angliederung eines Realgymnasiums an das alte Gymnasium in allernächster Zeit bevorsteht. Ueber die jüngste Entwicklung unseres Gymnasiums schreibt Studiendirektor Dr. Themann-Warendorf folgendes: „Daß ich am Tage der Dreihundertjahrfeier des Gymnasiums nicht ohne tiefe Gemütsbewegung auf den verflossenen Zeitraum meiner amtlichen Tätigkeit in Coesfeld (Oktober 1921 bis April 1927) zurückblicke, wird man begreiflich finden. Umschließt er doch 5 einhalb Jahre meines eigenen Lebens, in denen ich die ruhige Sammlung für die tägliche Berufsarbeit und


für wissenschaftliche Studien, wie sie mir die frühere Stellung vergönnte, mit den stetig sich erneuernden Sorgen um die zielbewußte Leitung und Organisation der rasch wachsenden Anstalt vertauschen mußte. In den vorhergehenden Jahrzehnten hatte das Coesfelder Gymnasium sich mit unbestrittenem Erfolge bemüht, seine geachtete Stellung unter den Schwesteranstalten der Provinz und darüber hinaus im edlen Wettbewerb mit ihnen ungeschmälert zu behaupten. Es stand da wie ein aus starkem Wurzelwerk emporgetriebener Baum mit hochragenden, sturmerprobten Wipfeln, weithin sichtbar. Aber seit langem schon setzte der im Innern kerngesunde Baum keine neuen Aeste und Zweige mehr an. Die Zahl der Schüler, die aus dem eigentlichen Rekrutierungsgebiet, insbesondere aus dem Kreise Coesfeld stammten, blieb sich von Jahr zu Jahr im wesentlichen gleich. Dabei erfreute sich die altehrwürdige Anstalt nach wie vor in den weitesten Kreisen der Bevölkerung eines höchst ehrenvollen Rufes. Wenn man zudem berücksichtigte, daß die wirtschaftliche Lage und auch die Verkehrsverhältnisse im Kreise Coesfeld im ganzen durchaus nicht ungünstig waren, fand man nicht leicht eine Erklärung für den offensichtlichen Stillstand oder gar Rückgang, der in der zahlenmäßigen Entwicklung des Gymnasiums eingetreten war. Vor allem drängte sich die Frage auf, weshalb die Landwirte nicht in größerem Umfange die Gelegenheit benutzten, ihre Söhne zum Gymnasium zu schicken, um ihnen eine höhere Schulbildung zuteil werden zu lassen. Durch die in mehreren Nachbarorten bestehenden Rektoratschulen wurden freilich zahlreiche Schüler, unter ihnen auch viele Bauernsöhne, in den unteren und mittleren Klassen bis Obertertia einschließlich festgehalten, aber andererseits waren diese Schulen doch auch Zubringeranstalten für die oberen Gymnasialklassen. Wenn ich demnach all diese Tatsachen meinen Erwägungen zugrunde legte, mußte ich bald zu der Ueberzeugung kommen, daß das Bildungsstreben, der Sinn für die höheren und edleren Bedürfnisse des menschlichen Herzens und Geistes, auf dem flachen Lande mit seinem reichen Born unverbrauchter Kräfte bislang noch viel zu wenig erwacht war. Hier galt es also, den Hebel anzusetzen, nicht so sehr in der Gymnasialstadt selber. Meine Bemühungen um die Hebung der Schülerzahl, die auch einer schärferen Auslese bei den Aufnahmeprüfungen und Versetzungen förderlich sein konnten, richteten sich daher in erster Linie auf das weitgesteckte Ziel, möglichst viele für das Studium geeignete Jungen vom Lande zu erfassen, Dazu bedurfte es auch außerhalb des Amtszimmers lebendiger Fühlungnahme und regen Gedankenaustausches mit den beteiligten Kreisen, Wenn es mir alsbald gelang, auf diesem Wege durch planvolle Aufklärungsarbeit ein gutes Stück vorwärts zu kommen, so verdanke ich das vor allem der verständnisvollen Unterstützung von seiten der Geistlichkeit und Lehrerschaft. Auch äußere Umstände kamen mir dabei zu Hilfe. Mit der allgemeinen Aufhebung der Lehrerbildungsanstalten war auch das Schicksal des hochverdienten Coesfelder Seminars besiegelt. Ein Teil der jungen Leute, die früher den Volksschullehrerberuf zu ergreifen pflegten, strömten nunmehr dem Gymnasium zu. Dazu kam, daß die Lage der Landwirtschaft in den Nachkriegs-, insbesondere in den Inflationsjahren sich gänzlich veränderte. Das Kapitalvermögen der Grundbesitzer schrumpfte zusammen. Während sie ihren Söhnen, soweit sie nicht au:


Was sie in vielfach stark überfüllten Klassen, dazu noch unter dem lähmende Drucke wirtschaftlicher Not, mechanisch durchgeführter Abbaumaßnahmen und vermehrter Arbeitslast, die vor allem die Schulreform von 1924 ihnen auferlegte, während dieses Jahrfünfts geleistet haben, verdient mit goldenen Lettern in die Annalen der Anstalt eingezeichnet zu werden. Durch ihr einträchtiges Zusammenarbeiten, durch ihr unermüdliches Streben, nicht zuletzt auch durch ihren tatenfrohen Optimismus haben sie das Gedeihen der Schule aufs wirksamste und nachhaltigste gefördert. Der gute Geist, der das Lehrerkollegium beseelte, strömte auch auf die Schüler über. Eine vornehme, das Ehrgefühl weckende und schonende Behandlung der Jugend erwies sich als das sicherste Mittel, um überall, auch bei den größeren Schülern, willigen Gehorsam, Vertrauen und Liebe zu gewinnen. So herrschte an unserer Anstalt die im Ganzen heitere Stimmung, die, wie Herbart einmal gesagt hat, die erste und unerläßliche Probe des guten Zustandes einer Schule ist. In dieser sonnigen Atmosphäre konnten auch die reifsten Früchte am Baume der Erziehungskunst gedeihen: Gottesfurcht und liebevolle Duldung gegen Andersdenkende, Zucht und gute Sitte, Wohlgefallen am Guten und Schönen, Wahrhaftigkeit als eine Forderung sittlichen Mutes und männlicher Ehre und endlich, aber nicht letztlich eine kräftige und gesunde Vaterlandsliebe,"

Das Lehrerkollegium im Sommerhalbjahr 1928[Bearbeiten]

1. Dr. Wilhelm Ernst, Studiendirektor, 2. Dr. Engelbert v. Hammel, Oberstudienrat. 3. Professor Theodor Fechtrup, Studienrat. 4. Aloys Schaack, Studienrat. 5. Dr, Wilhelm Pohlschmidt, Studienrat. 6. Hugo Oberconz, Studienrat, 7. Ludwig Heppe, Studienrat. 8. Heinrich Siepenkort, Studienrat. 9. Bernhard Steffens, Studienrat. 10, Egon Klostermann, Studienrat. 11, Max Kreutzmann, Studienrat. 12. Hans Paszek, Studienrat. 13. Hans Adam Rützel, Studienrat. 14. Dr. Heinrich Burlage, Studienrat. 15. Franz Niedenzu, Musiklehrer. 16. Theodor Wessels, Oberschullehrer. 17. Ignaz Frohne, Studienassessor. 18. Joseph Siefke, Studienassessor. 19. Otto Neumüllers, Studienassessor. 20. Hermann Kuper, Seminaroberlehrer. 21. Hans Reddemann, Lehrer. 22. Julius Kirchhoff, Pfarrer und Hofprediger.

Abbildungen[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Keller, Geschichte der Gegenreformation. I, 383.
  2. Keller, a, a. O. II, 16, 356, 363.
  3. Keller, III. S. 421.
  4. Duhr, Gesch. d. Jes. I, 144 ff.
  5. Marx, Geschichte des Gymnasiums, S 5.
  6. Keller, III, 579.
  7. Marx, a. a. O. S. 8.
  8. Pachtler, Ratio studiorum III (1890) X ff.
  9. Sökeland, Gesch. d. Münsterschen Gymnasiums von 1588—1631. Münster 1826.
  10. Duhr, Gesch. d. Jes, II, 1, 103.
  11. Auch die Kapuziner kamen im Jahre 1627 nach Coesfeld; sie bauten in den folgenden Jahren am Köbbinghof ein Kloster und eine Kirche, die 1632 vollendet wurde. Die Klostergebäude gingen 1803 über in den Besitz des Rheingräflichen Hauses; sie haben im Laufe der Jahre verschiedenen Zwecken gedient. Vergl. Sökeland, Gesch. d. Stadt Coesfeld (1839), 142.
  12. Marx, a, a. O. S. 150.
  13. Wir übergehen in dieser Darstellung die Tätigkeit der Jesuiten auf den verschiedenen Gebieten der Seelsorge, der sie sich von Anfang an mit großem Eifer widmeten. Vergl. darüber die Ausführungen bei Duhr, Gesch, d. Jes, Bd. II. 1. 7, S, 103/104, Desgl. Die Marianischen Sodalitäten zu Coesfeld. Festschrift zum 300jährigen Bestehen derselben. Coesfeld, 1927.
  14. Duhr, a. a. O.
  15. Marx, a. a. O. 38 ff.
  16. Duhr, Gesch. d. Jes, II, 1, 104.
  17. Pachtler, Ratio studiorum II, (Berlin 1887).
  18. Vergl. die Zeugnisse bei Duhr, Gesch. d. Jes. I, S, 289 ff.
  19. Paulsen, Gesch. des gelehrten Unterrichts I (1896) 2, S. 423.
  20. fehlt noch
  21. Duhr, Gesch. d. Jes. II, 1, 104. (hier fehlt noch die Zuordnung workinprogress)
  22. Bahlmann, Jesuiten-Dramen, S. 96,
  23. S. den Aufsatz von Paszek in dieser Schrift.
  24. Hüsing, Fürstbischof Chr. B. v. Galen, S. 120.
  25. S. u. S.
  26. S. die Aufzählung der an der Kuchen- und Kronenstraße angekauften Häuser b. Hüer, Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen und sein Baumeister Peter Pictorius, Münster 1923, S. 66.
  27. Vergl. Hüsing, S, 121 ff. und S. 274; desgl. Marx, S. 89 ff.
  28. von Alpen a. a. O. II. S. 665.
  29. Hüer, Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen und sein Baumeister Peter Pictorius. Münster 1923, S. 66.
  30. Ueber den Bau der Jesuitenkirche berichtet Dr, Burlage, der zeitige Rektor der Gymnasialkirche, in dieser Schrift.
  31. Als Quellen dienten fast ausschließlich die Jahresberichte (literae annuae) des Coesfelder Jesuitenkollegs (seit 1680 mit einigen Lücken) im Hist. Archiv der Stadt Köln.
  32. Der Bau ist im wesentlichen erhalten geblieben. Die breite Durchfahrt wurde 1811 gebaut. Die große Aula, die erst vor einigen Jahren durchbaut wurde, diente im vorigen Jahrhundert als Konzertsaal und Vergnügungslokal, wo die meisten öffentlichen Veranstaltungen stattfanden. Die Anlage der Bühne ist noch heute gut erkennbar.
  33. Von den Franziskanern wurde der Name Gymnasium Nepomucenianum eingeführt; diese Bezeichnung begegnet uns in einem Bericht des Präfekten Born an die preußische Regierung vom Januar 1815. Der veränderte Name erweist sich als eine Analogiebildung nach Art der Benennung anderer Franziskanerschulen (vergl. Laurentianum-Warendorf, Dionysianum-Rheine, Georgianum]-Vreden). In den Jahresberichten, die seit 1822/23 regelmäßig erschienen sind, heißt die Anstalt zunächst einfach „Progymnasium in Koesfeld, bezw, seit der Erhebung zur Vollanstalt „Königliches Gymnasium in Koesfeld" (Coesfeld mit „C" geschrieben seit 1835). Auf dem im Jahre 1869 von Schlüter herausgegebenen. Berichte begegnet zum ersten Male wieder der Zusatz „Nepomucenianum"; mit dieser voll- klingenden vokalreichen Beifügung erschienen dann auch die folgenden Jahresberichte, bis Direktor Darpe im Jahre 1897 zu der schlichteren Benennung zurückkehrte, die seit dem als amtliche Bezeichnung gebräuchlich ist. Vergl. Boedeker, a. a. O. S. 25.
  34. Schreiben des Bürgermeisters an den Großherzog von Berg, vom 23. 2. 1807.
  35. Bernhard Born, geb. 4. 10. 1765 in Rietberg, trat nach Beendigung der studia inferiora in den Franziskanerorden, wo er den Namen P, Apolliaris erhielt. Er kam 1790 als Lehrer der unteren Klassen an das hiesige Gymnasium und war von 1796—1827 Leiter der Schule, die damals unter dem Druck der Zeitverhältnisse mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Unter schweren Opfern und Entbehrungen hat er in dieser schlimmen Zeit bei der Schule ausgeharrt und sich bemüht, hier ungeachtet aller Hemmnisse und Widerstände „den edlen Baum der Wissenschaften weiter zu pflegen und am Leben zu erhalten", ein Verdienst, das auch die preuß. Regierung mehrmals gewürdigt hat, Herbst 1827 trat er wegen zerrütteter Gesundheit in den Ruhestand, gest. 1831 in Coesfeld.
  36. Boedeker, Von dem Gymnasium Coesfelds in den Jahren 1773—1828, Coesfeld 1917, S. 16,
  37. Lit. Nachlaß des Frhr. v. Fürstenberg (Schloßbibliothek Darfeld 108) bei Boedeker a. a. O. S. 11,
  38. Acta die Verlegung des hies. Gymnasii betreffend. Stadtarchiv. Nicht inv.
  39. Acta die Verlegung des Gymn. betreffend. Stadtarchiv, Gegen Ende der 80er Jahre des 17. Jahrhunderts hatte der Magistrat der stark verschuldeten Stadt sich ohne Erfolg bemüht, diese 4000 Thlr. zurückzuerhalten, um dadurch der gedrückten Bürgerschaft eine Erleichterung zu schaffen.
  40. Die beiden Lehrer waren P. Rekers und P. Köhler. Jakob Rekers stammte aus Paderborn trat nach Beendigung der studia inferiora in den Franziskanerorden. Er war seit 1794 Lehrer am hiesigen Gymnasium und ist hier 1818 im Alter von 48 Jahren gestorben. Philipp Köhler, geb. 1777 in Warendorf, hatte seit 1801 die 3. Lehrerstelle inne, die er 1819 wegen andauernder Krankheit aufgeben mußte.
  41. Stadtarchiv, Nicht inv.
  42. Acta Verlegung d. Gymn. Stadtarchiv.
  43. Acta Gymnasium betreffend. Stadtarchiv.
  44. Friedrich Kohlrausch, Erinnerungen aus meinem Leben. Hannover 1863. S. 186.
  45. Acta Gymnasium betreffend, Stadtarchiv.
  46. Acta betr. Schulvorstand, Gymnasial-Archiv.
  47. Stadtarchiv.
  48. Aus der Zeit des Progymnasiums sind in der hiesigen Gymnasial-Bibliothek nur die Jahresberichte 1822/23 und 1827/28 vorhanden. Berichte über die übrigen Schuljahre des Progymnasiums befinden sich (z. T. verstreut) in Privatbesitz. Die Progr. aus der Zeit des Gymnasiums sind lückenlos in der Gymn.-Bibl. vorhanden; in den Jahren 191 bis 1924 sind keine gedruckten Jahresberichte erschienen.
  49. Boedeker, a. a. O. S. 22.
  50. Ueber die Personalien vergl, das Verzeichnis ,, Prof. u. s. w." Wagner war cand, theol.; er stammte aus Coesfeld und wurde 1830 Priester der Erzdiözese Köln.
  51. Sie wird mitgeteilt von Boedeker, a. a, O., S. 15.

Literatur[Bearbeiten]

  • Akten aus dem:
  • Stadtarchiv Coesfeld;
  • Gymnasialarchiv Coesfeld;
  • Archiv der Fürstl. Salm-Horstmarschen Rentkammer zu Coesfeld ;
  • Preuß. Staatsarchiv Münster;
  • Hist. Archiv der Stadt Köln.
  • Jahresberichte des Progymnasiums in Coesfeld 1823—1828.
  • Jahresberichte des Gymnasiums in Coesfeld 1829—1915, 1925—1928.
  • von Alpen, Christoph Bernard von Galen, Uebersetzung 1790.
  • Boedeker, Von dem Gymnasium in Coesfeld von 1773--1828.- Coesfeld 1917,
  • Brandt, Geschichte des Fürstbistums Münster. Münster 1925.
  • Darpe, Coesfelder Urkundenbuch (Einleitung). Coesfeld 1897,
  • Darpe-Weskamp, Beiträge zur Geschichte des Kreises Coesfeld, München 1913.
  • Duhr, Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge 1. und 2. Band. Freiburg 1907—1913.
  • Hüer, Christ. Bernard von Galen und sein Baumeister Pictorius. Münster 1923.
  • A. Hüsing, Fürstbischof Christoph B. von Galen, ein kath. Reformator des 17. Jahrhunderts. Münster und Paderborn 1887.
  • L. Keller, Die Gegenreformation in Westfalen und am Niederrhein, 3 Teile. Leipzig, 1884 ff.
  • Kohlrausch, Erinnerungen aus meinem Leben. Hannover 1863.
  • Christoph Marx: Geschichte des Gymnasiums in Coesfeld, Coesfeld, 1829, Literarisches Kommissions-Komtor, gedruckt bei Wittneven in Coesfeld, der Philologe Marx war der erste nichtgeistliche Lehrer am Nepomucenum
  • Pachtler, S. J., Ratio studiorum et institutiones Soc. Jesu, 4 Bd, Berlin 1887—1894.
  • F. Raßmann, Münsterländisches Schriftsteller-Lexikon. Lingen 1814 mit 4 Nachträgen 1815—1833.
  • E. Raßmann, Nachrichten aus dem Leben und den Schriften Münsterländischer Schriftsteller. Münster 1866,
  • Sökeland, Geschichte des Münsterischen Gymnasiums von 1588—1630, Münster 1826. Umgestaltung des Münst. Gymn. durch den Freiherrn Fr. von Fürstenberg. Münster 1828. Geschichte der Stadt Coesfeld. Coesfeld, 1839.
  • Tücking, Geschichte des Stifts Münster unter Christoph Bernard r. Galen, Münster 1865.
  • Wies, Das höhere Schulwesen in Preußen. 4 Bände, Berlin 1864—1902.