Die Jesuitenkirche in Coesfeld

Aus Gästebuch Bene Homann
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Die Jesuitenkirche ist identisch mit der heutigen Kirche der evangelischen Gemeinde.

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Von Studienrat Dr. Heinrich Burlage.
verfaßt 1928

Die Jesuitenkirche ist mit der Geschichte des Coesfelder Gymnasiums aufs engste verwachsen. Seit dem Jahre 1694 ist sie das Gotteshaus der Gymnasiasten. Wohl jeden früheren „Coesfelder" verknüpft irgend eine freundliche Erinnerung fürs ganze Leben mit dieser ehrwürdigen Barockkirche, die an künstlerischem Reichtum vielleicht im ganzen Münsterlande nicht ihresgleichen haben dürfte. Möge die Jubiläumsfeier des Gymnasiums das Band der Anhänglichkeit um Schüler und Kirche noch fester schlingen! Der Plan für die Jesuitenkirche in Coesfeld stammt wahrscheinlich von Pictorius, dem Hofbaumeister des Fürstbischofs Bernhard von Galen. Im Jahre 1691 war der Rohbau vollendet; am 20. Mai 1694 wurde die Kirche dem gottesdienstlichen Gebrauche übergeben. Von der inneren Einrichtung war bis dahin allerdings nur der Hochaltar bis auf das Tabernakel fertig gestellt worden. Rüstig aber wurde in den folgenden Jahren weiter gearbeitet, sodaß um das Jahr 1705 die Mobiliarausstattung der Kirche im wesentlichen vollendet war. Der Hochaltar gehört zu den besten Holzschnitzwerken, die der Barockstil in Westfalen hervorgebracht hat. Sein Meister ist Johannes Rendeles, der in Paderborn seine Ausbildung genossen hatte, um sich dann nach Fertigstellung des Altares dauernd in Coesfeld niederzulassen, wo er etwa 1723 starb. Die wertvollsten Stücke des Altares sind die wuchtigen gedrehten Säulen mit den in Blumengewinden und Weinranken spielenden Engeln und die reichen Ornamentstücke an den Sockelteilen der Säulen mit den schönen, ausdrucksvollen Engelköpfen. Sie sind das Werk Rendeles.

Außer Rendeles haben aber auch noch andere Meister an dem großen Werk gearbeitet. So sind die Vollfiguren von dem Bildhauer Hildebrand von Steinern geschnitzt, der ein Gehilfe des Rendeles war. Nur die Figur des hl, Stanislaus mit dem Jesusknaben wird Rendeles selbst angefertigt haben. Auch das Tabernakel stammt nicht vom Meister selbst. Es wurde erst später eingefügt und ist ein Schnitzwerk des Jesuitenbruders Peter Losen. Wenn es auch an künstlerischem Werte dem Werke des Rendeles nachsteht, so gliedert es sich doch ganz gut dem übrigen an. Der Altar trägt das Wappen des Fürstbischofs [[:de:Ferdinand von Plettenberg|Ferdinand von Plettenberg], der in hochherziger Weise die Mittel zur Verfügung stellte.

Das übrige Mobiliar wurde nach den Plänen Rendeles von Peter Losen hergestellt. Besonders schön ist die Kanzel, die mit ihrem reich ausgestatteten Treppenaufgang und ihrer Schalldecke im üppigsten Blumen- und Arkanthusschmuck kaum übertroffen werden kann. Auch die Beichtstühle, die Innenportale, die Chorschranken und die Kommunionbank sind gute Holzschnitzarbeiten. Leider hatte der Holzwurm im Laufe der Jahrhunderte mit seinem stillen Zerstörungswerk in dem wertvollen Holzschnitzwerk eingesetzt. Manche Stücke schienen schon ganz verloren zu sein. Durch eine umsichtige Erneuerungsarbeit, bei der sich der jetzige Herr Domkapitular, Prof. Dr. Emmerich in Münster und Herr Rektor Dr. Hüer in Gescher außerordentlich verdient gemacht haben, ist vieles gerettet und wiederhergestellt worden. Heute bietet das Innere der Kirche mit seiner ruhiggelblichen Tönung und dem neugebeizten Hochaltare einen sehr vornehmen Anblick. Die Ungunst der Zeit hat die Wiederherstellungsarbeit leider unterbrechen lassen. Besonders bedürfen die Seitenaltäre und die Kanzel dringend einer gründlichen Renovierung.

Auch die Orgel ist so baufällig geworden, daß sie nur noch sehr mangelhaft ihren Dienst versehen kann. Dringend notwendig ist auch die Anlage einer Heizung. Manche alten Schüler werden heute noch ein Frösteln verspüren, wenn sie der kalten Wintertage in der Jesuitenkirche gedenken. Das große Altarbild des Hochaltares wird augenblicklich fachmännisch erneuert; die Mittel dazu sind von der Marianischen Sodalität, die seit jeher die Jesuitenkirche als Titelkirche benutzt hat, zur Verfügung gestellt worden. Mögen denn die früheren „Coesfelder" beim feierlichen Dankgottesdienste der Jubiläumsfeier der Jesuitenkirche auch dadurch ihre Anhänglichkeit beweisen, daß sie gern ein Scherflein opfern für ihre alte Kirche.


Dieser Artikel ist entnommen der Festschrift von 1928 Das Gymnasium Nepomucenum zu Coesfeld. 1627–1828–1928 zum 300jährigen Schuljubiläum und umgewandelt in einen Hypertext. (work in progress)


Nachtrag 1969 / 2009[Bearbeiten]

Die Jesuitenkirche (St. Ignatius) stammt wohl nicht von Peter Pictorius, sondern von Anton Hülse, Details bei Karl Josef Schmitz.[1].

  1. Siehe: Karl Josef Schmitz: Grundlagen und Anfänge barocker Kirchenbaukunst in Westfalen (Studien und Quellen zur Westfälischen Geschichte, Band 10). Paderborn 1969, Seite 20 und S. 61 ff.